Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, merkt es meist erst an der Jahresabrechnung: Die Stromkosten bei Pflege zu Hause liegen oft spürbar über dem, was ein vergleichbarer Haushalt sonst zahlt. Das liegt selten an einem einzelnen großen Verbraucher, sondern an einer ganzen Reihe kleinerer Geräte und Gewohnheiten, die sich über den Tag summieren. Wer weiß, wo der Verbrauch tatsächlich entsteht, kann gezielt gegensteuern – statt pauschal zu sparen und am Ende doch an der falschen Stelle zu kürzen.
Welche Geräte den Zähler wirklich antreiben
Ein elektrisch verstellbares Pflegebett zieht im Dauerbetrieb weniger Strom, als viele vermuten – die eigentliche Last liegt nicht im Verstellmotor, sondern in Geräten, die rund um die Uhr laufen oder mehrfach täglich zum Einsatz kommen. Dazu zählen vor allem:
- Absauggeräte: mehrfach täglich im Einsatz, dazu häufig ein Akku, der permanent nachgeladen wird
- Sauerstoffkonzentratoren: laufen bei manchen Betroffenen 16 bis 24 Stunden am Tag und gehören zu den größten Einzelverbrauchern überhaupt
- Beatmungsgeräte und Inhalatoren: geringerer Dauerverbrauch, aber tägliche Nutzung über Jahre
- Wäsche: durch Inkontinenz oder häufigeren Wäschewechsel steigt die Zahl der Waschgänge oft auf das Doppelte eines normalen Haushalts
- Warmwasser: mehr Körperpflege, häufigeres Duschen oder Waschen am Bett treiben den Warmwasserbedarf nach oben
- Nachtbeleuchtung: aus Sicherheitsgründen bleibt bei vielen Pflegebedürftigen nachts Licht an, teils über Stunden
Gerade der letzte Punkt wird oft unterschätzt: Ein durchgehend brennendes Nachtlicht kostet für sich genommen wenig, summiert sich mit Ladegeräten und Monitor aber spürbar. Praktische Ansätze für sparsamere Dauerbeleuchtung liefert dieser Ratgeber zum Stromsparen mit Dimmer.
In der Summe kommen dabei schnell mehrere Hundert Kilowattstunden im Jahr zusammen, die ein Haushalt ohne Pflegebedarf nicht hätte. Eine grobe Orientierung liefert die folgende Übersicht:
| Gerät / Verbraucher | Typische Nutzung | Zusätzlicher Verbrauch pro Jahr |
|---|---|---|
| Sauerstoffkonzentrator | 16–24 Std./Tag | ca. 500–900 kWh |
| Absauggerät inkl. Akku | mehrfach täglich | ca. 30–60 kWh |
| Elektrisches Pflegebett | Dauerbetrieb, wenig Bewegung | ca. 40–70 kWh |
| Zusätzliche Wäsche | 2–3 zusätzliche Waschgänge/Woche | ca. 80–120 kWh |
| Warmwasserbereitung | mehr Körperpflege pro Tag | ca. 100–200 kWh |
| Nachtlicht / Dauerbeleuchtung | 6–8 Std./Nacht | ca. 30–50 kWh |

Die Bandbreite ist groß, weil Pflegegrad, Erkrankung und Wohnsituation stark variieren. Bei intensiver Sauerstofftherapie allein kann der Mehrverbrauch schon eine dreistellige Summe im Jahr ausmachen, rein rechnerisch bei aktuellen Strompreisen oft zwischen 150 und 300 Euro zusätzlich.
Hinzu kommt ein Faktor, der in Rechnungen selten auftaucht: die Raumtemperatur. Wer bettlägerig ist oder sich kaum bewegt, kühlt schneller aus als ein aktiver Erwachsener. In vielen Pflegehaushalten wird deshalb ein oder zwei Räume dauerhaft wärmer gehalten als üblich – bei elektrischer Zusatzheizung oder Infrarotstrahlern schlägt das direkt auf den Stromzähler durch, bei zentraler Heizung zumindest auf die Nebenkosten insgesamt.
Stromkosten bei Pflege zu Hause im Jahresverlauf: Was wirklich zusammenkommt
Rechnet man die Positionen aus der Tabelle zusammen, liegt der pflegebedingte Mehrverbrauch häufig zwischen 600 und 1.400 Kilowattstunden im Jahr. Bei einem Strompreis um die 32 Cent je Kilowattstunde entspricht das grob 190 bis 450 Euro zusätzlich – Geld, das im laufenden Haushaltsbudget selten eingeplant ist, weil es sich schleichend über Monate aufbaut statt in einer einzelnen großen Anschaffung. Werden mehrere Geräte parallel betrieben, etwa Sauerstoffkonzentrator und Absauggerät gleichzeitig, kann die Spanne auch nach oben aus dem Rahmen fallen und die 500-Euro-Marke im Jahr überschreiten.
Steigende Fixkosten und die Stellschrauben, die wirklich helfen
Parallel zu diesem Mehrverbrauch steigen bei vielen Pflegehaushalten auch die Fixkosten: höhere Grundpreise, Anpassungen beim Netzentgelt, teils auch ein größerer Zähler wegen zusätzlicher medizinischer Geräte. Wer hier ansetzen will, sollte zuerst einen Schritt weiter oben schauen, bevor er beim Tarif optimiert – denn ein höherer Pflegegrad wirkt sich direkt auf Pflegegeld und Sachleistungsbetrag aus und kann damit einen Teil der laufenden Mehrkosten auffangen. Der Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI bleibt dagegen unabhängig vom Pflegegrad bei 131 Euro im Monat gleich hoch, weshalb sich ein Blick auf die tatsächliche Einstufung lohnt: Wer merkt, dass sich der Pflegeaufwand seit der letzten Begutachtung deutlich erhöht hat, sollte prüfen, ob die Höherstufung des Pflegegrads beantragen im eigenen Fall sinnvoll ist – gerade weil höhere Leistungen aus der Pflegeversicherung auch bei der Deckung stromintensiver Pflegehilfsmittel spürbar entlasten.
Was beim Stromtarif und Zähler tatsächlich Wirkung zeigt
Neben der Pflegeeinstufung gibt es konkrete Hebel direkt beim Energieversorger:
- Tarif vergleichen statt in der Grundversorgung bleiben. Grundversorgungstarife sind fast immer teurer als Sondertarife mit Preisgarantie, gerade bei überdurchschnittlichem Verbrauch lohnt sich ein jährlicher Vergleich. Einen Einstieg bietet dieser Überblick zu Stromtarifen ohne Grundgebühr, die bei schwankendem Verbrauch mitunter günstiger ausfallen.
- Zählerwechsel prüfen. Bei Geräten, die rund um die Uhr laufen, kann sich ein Blick auf einen Zweitarifzähler lohnen, weil sich Verbrauch dann je nach Tageszeit unterschiedlich abrechnen lässt.
- Verbrauchsstellen einzeln messen. Ein einfaches Energiekostenmessgerät zeigt oft überraschend, welches Gerät wirklich der Treiber ist – häufig nicht das vermutete.
- Abschlag realistisch anpassen. Wer den Abschlag nach dem Mehrverbrauch korrigiert, vermeidet böse Überraschungen bei der Jahresabrechnung.
- Fördermöglichkeiten für Hilfsmittel prüfen. Manche Sauerstoffkonzentratoren und Absauggeräte werden von der Krankenkasse gestellt, inklusive einer Betriebskostenpauschale – die wird jedoch nicht automatisch ausgezahlt, sondern muss beantragt werden.
Härtefallregelungen der Versorger nicht übersehen
Viele Energieversorger bieten – oft wenig beworben – Unterstützung für Haushalte mit hohem medizinisch bedingtem Verbrauch an. Dazu zählen Ratenzahlungsvereinbarungen, ein Aufschub bei drohender Sperrung sowie in Einzelfällen Sondervereinbarungen für Kunden mit lebenserhaltenden Geräten. Wer beim Versorger anruft und den Pflegehintergrund offenlegt, sollte gezielt nach einer solchen Regelung fragen – sie steht selten prominent im Preisblatt, existiert aber bei den meisten größeren Anbietern.
Wie viel Mehrverbrauch entsteht durch Pflege zu Hause im Schnitt?
Je nach Pflegegrad und eingesetzten Geräten liegt der zusätzliche Verbrauch meist zwischen 600 und 1.400 Kilowattstunden im Jahr, bei intensiver Sauerstofftherapie auch darüber.
Übernimmt die Pflegekasse Stromkosten für medizinische Geräte?
Direkt übernommen werden die Stromkosten in der Regel nicht. Über den Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI oder eine Betriebskostenpauschale bei leihweise gestellten Hilfsmitteln lässt sich ein Teil davon aber indirekt gegenfinanzieren.
Lohnt sich ein Tarifwechsel bei hohem Pflegeverbrauch?
Ja, meist sogar mehr als bei einem durchschnittlichen Haushalt, weil sich Preisunterschiede pro Kilowattstunde bei hohem Verbrauch stärker auswirken.
Kann ein anderer Zählertyp bei Pflegehaushalten Geld sparen?
In Einzelfällen ja, vor allem wenn Geräte rund um die Uhr laufen und sich Verbrauch zeitlich verschieben lässt. Ein Vergleich verschiedener Zählermodelle mit dem Versorger lohnt sich vor allem bei sehr hohem Dauerverbrauch.
Wer die eigenen Zahlen einmal Gerät für Gerät durchgeht, findet fast immer mindestens zwei oder drei Stellschrauben, die sich ohne großen Aufwand umsetzen lassen. Der größte Hebel liegt dabei selten allein beim Stromanbieter, sondern in der Kombination aus richtigem Tarif, realistischer Pflegeeinstufung und dem Wissen, welche Unterstützung beim Versorger überhaupt möglich ist.

