Kostenlos & unverbindlich Über 1.000 Stromanbieter Wechsel in 24 Stunden
Stromvergleich.net Jetzt vergleichen

Warum steigen die Strompreise? Die drei Kostenblöcke

Inhalt dieser Seite13
  1. Das Wichtigste zu steigenden Energiepreisen
  2. Warum „der Strompreis“ nicht eine Zahl ist
  3. Block eins: Beschaffung und der Gaspreis
  4. Block zwei: die Netzentgelte
  5. Block drei: Steuern, Abgaben und Umlagen
  6. Was die Preise für einen Haushalt konkret bedeuten
  7. Wo die Preise heute stehen
  8. Wie sich die Preise voraussichtlich weiterentwickeln
  9. Warum die eigene Rechnung so träge reagiert
  10. Was Du dagegen tun kannst
  11. Häufige Fragen zu steigenden Energiepreisen
  12. Fazit
  13. Quellen und Stand der Daten

Das Wichtigste zu steigenden Energiepreisen

  • Der Strompreis besteht aus drei Blöcken: Beschaffung und Vertrieb (41 %), Netzentgelte (25 %), Steuern und Umlagen (34 %).
  • Jeder Block hat eigene Treiber — sie steigen und fallen unabhängig voneinander.
  • Nur der erste Block steht im Wettbewerb. Dort entstehen die 14 Cent Unterschied zwischen Grundversorgung und günstigstem Tarif.
  • Nach dem Höchststand 2023 sind die Preise wieder gefallen: von 47 auf rund 37 Cent je kWh.
  • Wer in der Grundversorgung bleibt, zahlt trotzdem rund 42 Euro im Monat mehr als nötig.

Warum „der Strompreis“ nicht eine Zahl ist

Wenn von steigenden Energiepreisen die Rede ist, klingt das nach einer einzigen Größe, die sich bewegt. Tatsächlich sind es drei Kostenblöcke mit völlig unterschiedlichen Treibern — und sie bewegen sich oft in verschiedene Richtungen.

Block Anteil Wird bestimmt von Beeinflussbar?
Beschaffung und Vertrieb ca. 41 % Börsenpreis, Gaspreis, CO₂-Preis, Marge ja, über den Anbieter
Netzentgelte ca. 25 % Netzausbau, Regulierung, Netzgebiet nein
Steuern, Abgaben, Umlagen ca. 34 % Gesetzgeber nein

Das erklärt eine häufige Irritation: Warum sinkt die eigene Rechnung nicht, obwohl in den Nachrichten von fallenden Strompreisen die Rede ist? Weil die Nachricht meist den Börsenpreis meint — und der macht nur einen Teil des ersten Blocks aus.

Block eins: Beschaffung und der Gaspreis

Der Börsenstrompreis entsteht nach dem Merit-Order-Prinzip. Alle Kraftwerke bieten in der Reihenfolge ihrer Grenzkosten an; das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle — auch für den Windpark mit Grenzkosten nahe null.

Weil Gaskraftwerke meist die letzten sind, die zum Decken der Nachfrage gebraucht werden, schlägt der Gaspreis überproportional durch. Genau das war die Mechanik der Energiekrise: Der Beschaffungspreis für Strom stieg von rund 8 auf 25 Cent je Kilowattstunde, weil Gas knapp und teuer wurde.

Umgekehrt gilt dasselbe. An sonnigen, windigen Tagen verdrängen Erneuerbare die teuren Gaskraftwerke aus dem Markt, und der Börsenpreis fällt — regelmäßig sogar unter null. Ausführlich steht die Mechanik in unserem Beitrag zu Rohstoffpreisen und Strompreisen.

Block zwei: die Netzentgelte

Der zweite Block ist der, der zuletzt am stärksten gestiegen ist — und der am wenigsten wahrgenommen wird. Netzentgelte decken Bau, Betrieb und Instandhaltung der Leitungen.

Drei Entwicklungen haben sie getrieben:

  • Netzausbau für die Erneuerbaren. Windstrom entsteht im Norden, verbraucht wird er im Süden. Die Leitungen dafür kosten Milliarden.
  • Wegfall des Bundeszuschusses ab 2024. Ein geplanter Zuschuss entfiel kurzfristig, die Entgelte stiegen sprunghaft.
  • Regionale Ungleichverteilung. Netzgebiete mit viel Einspeisung trugen die Ausbaukosten allein — bis die Bundesnetzagentur zum 1. Januar 2025 einen Teil bundesweit umgelegt hat.

Weil Netzentgelte je Netzgebiet kalkuliert werden, unterscheidet sich dieser Block regional erheblich. Er ist einer der Gründe, warum zwischen den Bundesländern fast 18 Cent je Kilowattstunde liegen.

Block drei: Steuern, Abgaben und Umlagen

Ein Drittel des Preises legt der Gesetzgeber fest. Darin stecken unter anderem:

  • Umsatzsteuer von 19 Prozent — auf den gesamten Preis einschließlich der übrigen Abgaben
  • Stromsteuer von 2,05 Cent je Kilowattstunde nach dem Stromsteuergesetz
  • Konzessionsabgabe von 1,32 bis 2,39 Cent, gestaffelt nach Einwohnerzahl der Gemeinde
  • Umlagen für Kraft-Wärme-Kopplung, Offshore-Netze und abschaltbare Lasten

Zwei politische Eingriffe haben diesen Block verändert. Zum 1. Juli 2022 entfiel die EEG-Umlage, die zuletzt 3,72 Cent je Kilowattstunde betrug — die Förderung läuft seither über den Bundeshaushalt. Und im Jahr 2023 deckelte die Strompreisbremse den Preis für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs bei 40 Cent; sie lief zum 31. Dezember 2023 aus.

Was die Preise für einen Haushalt konkret bedeuten

Prozentangaben sagen wenig — entscheidend ist, was am Ende des Jahres auf der Rechnung steht. Für Verbraucher in Deutschland sieht das je nach Haushaltsgröße so aus:

Haushalt Jahresverbrauch Grundversorgung Günstiger Tarif Unterschied
Single 1.500 kWh ca. 606 € ca. 391 € ca. 215 €
Paar 2.500 kWh ca. 1.009 € ca. 651 € ca. 358 €
Familie 3.500 kWh ca. 1.413 € ca. 912 € ca. 501 €
Haus mit Garten 4.500 kWh ca. 1.817 € ca. 1.172 € ca. 645 €

Gerechnet mit 40,37 gegen 26,05 Cent pro Kilowattstunde, Gesamtpreise inklusive Grundpreis. Die hohen Beträge in der dritten Spalte entstehen nicht durch besonders hohen Verbrauch, sondern allein dadurch, dass niemand gewechselt hat.

Regional fällt der Unterschied sehr verschieden aus: In Thüringen sind es 922 Euro im Jahr, in Bremen 307. Die Spanne zwischen den Bundesländern beträgt fast 18 Cent pro Kilowattstunde.

Wo die Preise heute stehen

Nach dem Höchststand ist der Haushaltsstrompreis deutlich zurückgekommen:

Jahr Durchschnittlicher Haushaltsstrompreis Was den Ausschlag gab
2020 ca. 32 ct/kWh Niveau vor der Krise
2023 ca. 47 ct/kWh Höchststand nach der Beschaffungskrise
2025 ca. 39,6 ct/kWh Beschaffung normalisiert, Netzentgelte hoch
2026 ca. 37 ct/kWh Entlastungspaket senkt Netzentgelte

Der Unterschied zwischen Durchschnitt und Grundversorgung bleibt allerdings bestehen: Die Grundversorgung liegt bundesweit bei 40,37 Cent, der günstigste Neuvertrag bei 26,05 Cent. Ausführlich zeigt das unsere Strompreisentwicklung.

Wie sich die Preise voraussichtlich weiterentwickeln

Prognosen zum Strompreis sind mit Vorsicht zu genießen — 2021 hätte kaum jemand den Sprung auf 47 Cent vorhergesagt. Die Richtung lässt sich aber aus den drei Blöcken ableiten:

Block Erwartete Richtung Begründung
Beschaffung und Vertrieb eher fallend Ausbau erneuerbarer Anlagen drückt den Börsenpreis
Netzentgelte eher steigend Netzausbau für Wind, Photovoltaik und Elektromobilität
Steuern und Umlagen politisch offen hängt an Entlastungspaketen und Haushaltslage

Fachleute rechnen für Deutschland mittelfristig mit Strompreisen zwischen 35 und 45 Cent pro Kilowattstunde bis 2030. Das Bundeswirtschaftsministerium geht für das Jahr 2042 von 37 bis 42 Cent aus.

Für Haushalte heißt das: Die großen Sprünge sind vermutlich vorbei, ein dauerhaftes Absinken auf das Niveau von 2020 aber ebenso unwahrscheinlich. Der Ausbau der Netze kostet Geld, und dieses Geld kommt über die Netzentgelte herein.

Warum die eigene Rechnung so träge reagiert

Selbst wenn alle drei Blöcke fallen, dauert es, bis das bei Dir ankommt. Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Versorger kaufen im Voraus ein. Der Strom für dieses Jahr wurde zu großen Teilen schon vor Monaten beschafft. Was heute an der Börse passiert, wirkt frühestens in einigen Monaten.
  2. Grundversorger passen selten an. Meist ein- bis zweimal im Jahr. Neukundentarife reagieren dagegen innerhalb von Wochen.

Seit dem 1. Januar 2026 muss der technische Lieferantenwechsel nach § 20a EnWG binnen 24 Stunden abgeschlossen sein — an der Preisanpassung Deines bestehenden Vertrags ändert das aber nichts. Aus dieser Trägheit entsteht der heutige Abstand von über 14 Cent zwischen Grundversorgung und günstigstem Tarif. Er ist kein Naturgesetz, sondern die Folge unterschiedlicher Anpassungsgeschwindigkeiten.

Was Du dagegen tun kannst

  1. Die Grundversorgung verlassen. Rund 501 Euro im Jahr bei 3.500 Kilowattstunden — kündbar jederzeit mit zwei Wochen Frist nach der Stromgrundversorgungsverordnung.
  2. Preisgarantie über die volle Laufzeit wählen. Sie schützt vor Anstiegen bei Beschaffung und Vertrieb; Steuern und Umlagen bleiben bei der üblichen eingeschränkten Variante offen.
  3. Jährlich neu vergleichen. Bestandskundenpreise liegen fast immer über den aktuellen Neukundenangeboten desselben Anbieters.
  4. Beim Sonderkündigungsrecht schnell sein. Kündigt Dein Anbieter eine Preiserhöhung an, muss er Dich nach § 41 EnWG mindestens einen Monat vorher in Textform informieren. Du kannst dann zum Wirksamwerden aussteigen — unabhängig von der Laufzeit.

Nicht wirksam ist dagegen, auf sinkende Preise zu warten. Wer in der Grundversorgung bleibt, zahlt jeden Monat rund 42 Euro mehr als nötig, egal wohin sich der Großhandelspreis bewegt.

Häufige Fragen zu steigenden Energiepreisen

Warum steigen die Strompreise?

Weil drei Blöcke mit eigenen Treibern zusammenwirken: Beschaffung folgt Gas- und CO₂-Preisen, Netzentgelte dem Netzausbau, Steuern und Umlagen dem Gesetzgeber. Sie bewegen sich unabhängig voneinander.

Warum sinkt meine Rechnung nicht, wenn die Börsenpreise fallen?

Weil nur rund 41 Prozent des Preises auf Beschaffung und Vertrieb entfallen und Versorger im Voraus einkaufen. Grundversorgungstarife werden zudem nur ein- bis zweimal im Jahr angepasst.

Warum bestimmt der Gaspreis den Strompreis?

Wegen der Merit Order: Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Gaskraftwerke sind meist die letzten, die gebraucht werden.

Was ist mit der EEG-Umlage passiert?

Sie entfiel zum 1. Juli 2022 und betrug zuletzt 3,72 Cent je Kilowattstunde. Die Förderung erneuerbarer Energien läuft seither über den Bundeshaushalt.

Wie hoch sind die Strompreise 2026?

Im Durchschnitt rund 37 Cent je Kilowattstunde. In der Grundversorgung sind es 40,37 Cent, im günstigsten Neuvertrag 26,05 Cent.

Schützt eine Preisgarantie vor allen Erhöhungen?

Nein. Die übliche eingeschränkte Preisgarantie deckt Beschaffung, Vertrieb und meist die Netzentgelte — Steuern, Abgaben und Umlagen bleiben offen, also rund 34 Prozent des Preises.

Fazit

Hinter „steigenden Energiepreisen“ stecken drei Kostenblöcke mit eigenen Treibern. Nur einer davon steht im Wettbewerb — und genau dort liegt der Hebel, den Du in der Hand hast.

Zwischen Grundversorgung und günstigstem Tarif liegen rund 501 Euro im Jahr. Diese Differenz ist unabhängig davon, ob die Preise gerade steigen oder fallen — sie entsteht allein daraus, wie schnell verschiedene Tarife auf den Markt reagieren.

Quellen und Stand der Daten

Preisangaben nach bundesweiter Markterhebung, Stand 24. August 2026, Gesamtpreise je Kilowattstunde bei 3.500 kWh Jahresverbrauch. Die Zusammensetzung des Strompreises stammt aus der BDEW-Strompreisanalyse (Januar 2026), die Sätze der Konzessionsabgabe aus der Konzessionsabgabenverordnung, Angaben zu Netzentgelten und Börsenpreisen aus den Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur.

Die Prognosewerte bis 2030 und 2042 beruhen auf veröffentlichten Einschätzungen von Marktbeobachtern und des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die Redaktion von Stromvergleich.net wertet die Preisdaten des deutschen Strommarkts seit 2022 laufend aus. Was Strom an Deiner Adresse kostet, zeigt der Vergleichsrechner mit Postleitzahl und Jahresverbrauch.

Jetzt Tarife vergleichen