Gewerbestrom Vergleich: Tarife für Unternehmen
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- Das Wichtigste zum Gewerbestrom-Vergleich
- Was Gewerbestrom von Haushaltsstrom unterscheidet
- SLP oder RLM: die entscheidende Schwelle
- Woraus sich der Gewerbestrompreis zusammensetzt
- Was Gewerbestrom 2026 kostet
- Stromsteuer und Entlastungen für Unternehmen
- Lastspitzen senken: der unterschätzte Hebel
- Wie Du Gewerbestrom richtig vergleichst
- Ökostrom und Photovoltaik im Gewerbe
- Häufige Fragen zum Gewerbestrom
- Fazit
- Quellen und Stand der Daten
Das Wichtigste zum Gewerbestrom-Vergleich
- Bis 100.000 kWh Jahresverbrauch wird über ein Standardlastprofil abgerechnet — diese Tarife lassen sich online vergleichen.
- Ab 100.000 kWh greift die registrierende Leistungsmessung mit individuell verhandelten Preisen.
- Günstige Gewerbestromtarife liegen bei rund 25,43 Cent netto je Kilowattstunde.
- Gewerbekunden zahlen Nettopreise und ziehen die Umsatzsteuer als Vorsteuer ab — der Vergleich mit Haushaltstarifen führt sonst in die Irre.
- Das produzierende Gewerbe kann eine reduzierte Stromsteuer in Anspruch nehmen.
Was Gewerbestrom von Haushaltsstrom unterscheidet
Technisch ist es derselbe Strom aus derselben Leitung. Kaufmännisch und regulatorisch unterscheiden sich beide Bereiche in vier Punkten:
- Netto statt brutto. Gewerbetarife werden ohne Umsatzsteuer ausgewiesen. Ein Angebot über 25,43 Cent netto entspricht 30,27 Cent brutto — wer beide Werte vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen.
- Andere Messung ab 100.000 kWh. Darüber gilt die registrierende Leistungsmessung mit viertelstündlicher Erfassung.
- Verhandelbare Preise. Im größeren Segment sind Tarife keine Listenprodukte, sondern individuelle Angebote.
- Steuerliche Entlastungen. Produzierendes Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft sowie Schienenbahnen können reduzierte Stromsteuersätze in Anspruch nehmen.
Der Kündigungsschutz für Verbraucher gilt hier übrigens nicht in gleicher Form. Gewerbeverträge dürfen längere Laufzeiten und Kündigungsfristen vorsehen — lies sie deshalb genauer als einen Haushaltstarif.
SLP oder RLM: die entscheidende Schwelle
Bei welcher Messart Dein Betrieb liegt, bestimmt, wie Du überhaupt einkaufen kannst.
| Standardlastprofil (SLP) | Registrierende Leistungsmessung (RLM) | |
|---|---|---|
| Jahresverbrauch | bis 100.000 kWh | ab 100.000 kWh |
| Messung | Jahresablesung, standardisiertes Lastprofil | viertelstündliche Erfassung, Fernauslesung |
| Preisbildung | Listentarife, online vergleichbar | individuelles Angebot, oft mit Leistungspreis |
| Preisbestandteile | Grundpreis und Arbeitspreis | zusätzlich Leistungspreis nach höchster Viertelstundenleistung |
| Typisch für | Büro, Praxis, Laden, Handwerksbetrieb | Produktion, Kühlhaus, größerer Filialbetrieb |
Der Leistungspreis im RLM-Bereich wird oft unterschätzt. Er bemisst sich nach der höchsten Viertelstundenleistung des Jahres — eine einzige Lastspitze kann die Kosten für zwölf Monate prägen. Lastmanagement ist deshalb im RLM-Bereich häufig wirksamer als der Tarifwechsel selbst.
Woraus sich der Gewerbestrompreis zusammensetzt
Der Strompreis für Unternehmen besteht aus denselben Blöcken wie der für Haushalte — die Gewichtung fällt aber anders aus, und ein Teil ist verhandelbar.
| Bestandteil | Was dahintersteckt | Verhandelbar? |
|---|---|---|
| Beschaffung und Vertrieb | Einkauf des Stroms am Großhandelsmarkt plus Marge | ja — hier entsteht der gesamte Preisunterschied zwischen Anbietern |
| Netzentgelte | Nutzung des Verteilnetzes, je Netzgebiet unterschiedlich | nein, aber im RLM-Bereich über Lastmanagement beeinflussbar |
| Steuern und Abgaben | Stromsteuer 2,05 ct/kWh, Konzessionsabgabe, Umsatzsteuer | nein — teils aber Entlastungen beantragbar |
| Umlagen | KWKG-Umlage, Offshore-Netzumlage, § 19-StromNEV-Umlage | nein, für stromintensive Betriebe teils begrenzt |
Nur der erste Block steht im Wettbewerb. Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen sind für alle Anbieter im selben Netzgebiet identisch — wer Dir einen deutlich niedrigeren Gesamtpreis nennt, spart entweder an der Marge oder rechnet mit anderen Annahmen.
Für Gewerbekunden ist die Konzessionsabgabe eine Besonderheit: Wer die Voraussetzungen für Sondervertragskunden nach der Konzessionsabgabenverordnung erfüllt, zahlt nur 0,11 Cent pro Kilowattstunde statt 1,32 bis 2,39 Cent wie ein Tarifkunde. Das allein sind bei 30.000 Kilowattstunden bis zu 680 Euro im Jahr.
Was Gewerbestrom 2026 kostet
Günstige Gewerbestromtarife liegen bei rund 25,43 Cent netto je Kilowattstunde. Wie bei Haushalten sinkt der Arbeitspreis mit steigender Abnahmemenge, weil sich Grundpreis und Fixkosten besser verteilen.
| Betrieb | Jahresverbrauch | Günstiger Arbeitspreis netto | Stromkosten netto im Jahr |
|---|---|---|---|
| Kleines Büro, Praxis | 5.000 kWh | ca. 25,43 ct | ca. 1.272 € |
| Ladengeschäft | 15.000 kWh | ca. 25,43 ct | ca. 3.815 € |
| Handwerksbetrieb | 30.000 kWh | ca. 25,43 ct | ca. 7.629 € |
| Gastronomie mit Kühlung | 60.000 kWh | ca. 25,43 ct | ca. 15.258 € |
Zum Einordnen: Ein Haushalt zahlt in der Grundversorgung im Bundesschnitt 40,37 Cent brutto. Ein Gewerbebetrieb, der nie gewechselt hat, liegt in der Grundversorgung ähnlich hoch — und spart bei 30.000 Kilowattstunden mit einem Wechsel schnell mehrere Tausend Euro im Jahr.
Die Werte sind reine Arbeitspreise ohne Grundpreis und ohne Leistungspreis. Bei RLM-Kunden kommen individuell verhandelte Konditionen hinzu, die sich nicht sinnvoll tabellarisch darstellen lassen.
Stromsteuer und Entlastungen für Unternehmen
Der reguläre Stromsteuersatz beträgt 2,05 Cent je Kilowattstunde. Für bestimmte Branchen gelten Ausnahmen:
- Produzierendes Gewerbe im Sinne des Stromsteuergesetzes kann eine Entlastung beantragen. Im Zuge des Strompreispakets wurde der Satz für diese Unternehmen deutlich abgesenkt.
- Land- und Forstwirtschaft profitiert von denselben Regelungen.
- Schienenbahnen und einzelne Prozesse sind ganz von der Stromsteuer befreit.
- Der Spitzenausgleich entlastet besonders stromintensive Betriebe zusätzlich.
Die Entlastungen bei Steuern und Abgaben laufen über das zuständige Hauptzollamt und müssen jährlich beantragt werden — sie kommen nicht automatisch. Für kleine Betriebe lohnt der Aufwand oft nicht, ab mittlerem sechsstelligem Verbrauch schon.
Wichtig: Der Stromanbieter rechnet die Steuer zunächst voll ab. Die Entlastung holst Du Dir nachträglich beim Zoll zurück, nicht über den Tarif.
Lastspitzen senken: der unterschätzte Hebel
Im RLM-Bereich zahlst Du zwei Preise: einen Arbeitspreis pro Kilowattstunde und einen Leistungspreis pro Kilowatt Jahreshöchstleistung. Der Leistungspreis liegt je nach Netzgebiet zwischen 60 und 150 Euro je Kilowatt und Jahr.
Ein Rechenbeispiel: Ein Betrieb mit 120 Kilowatt Jahreshöchstleistung und 100 Euro Leistungspreis zahlt allein dafür 12.000 Euro im Jahr. Gelingt es, die Spitze durch versetztes Anfahren von Maschinen auf 100 Kilowatt zu drücken, sind das 2.000 Euro weniger — ohne eine einzige Kilowattstunde einzusparen.
Typische Maßnahmen:
- Lastverschiebung. Große Verbraucher nicht gleichzeitig starten lassen.
- Lastmanagement-System. Schaltet automatisch ab, bevor eine neue Spitze entsteht.
- Eigenerzeugung zur Spitzenkappung. Photovoltaik mit Speicher deckt genau die Mittagsspitze.
Weil die höchste Viertelstunde des Jahres zwölf Monate lang wirkt, lohnt sich hier der genaue Blick mehr als beim Arbeitspreis. Im SLP-Bereich unter 100.000 Kilowattstunden entfällt der Leistungspreis dagegen — dort ist der Tarifwechsel der wirksamste Hebel.
Wie Du Gewerbestrom richtig vergleichst
- Messart klären. SLP oder RLM steht auf der Jahresabrechnung. Sie entscheidet, ob Du online vergleichen kannst oder Angebote einholen musst.
- Nettopreise vergleichen. Und darauf achten, dass alle Angebote netto sind.
- Jahresverbrauch exakt angeben, bei RLM zusätzlich die Jahreshöchstleistung in Kilowatt.
- Laufzeit und Preisgarantie prüfen. Bei Gewerbeverträgen sind 24 Monate üblich — was hier häufiger sinnvoll ist als bei Haushalten, weil Planungssicherheit in die Kalkulation eingeht. Mehr dazu auf unserer Seite zur 24-monatigen Preisgarantie.
- Kündigungsfrist notieren. Sie liegt bei Gewerbeverträgen oft bei drei Monaten zum Laufzeitende, nicht bei einem Monat.
Ein Punkt, der Haushalte kaum betrifft: Prüfe die Bonitätsprüfung. Manche Anbieter lehnen junge Unternehmen ohne Bilanzhistorie ab oder verlangen eine Kaution. Das solltest Du wissen, bevor Du kündigst.
Ökostrom und Photovoltaik im Gewerbe
Für Gewerbebetriebe hat Ökostrom neben dem ökologischen einen handfesten Nutzen: Er geht in die CO₂-Bilanz ein, die zunehmend von Auftraggebern und Banken abgefragt wird. Achte dabei auf Label mit Neuanlagenkriterium — Details im Ökostromvergleich.
Noch wirksamer ist eine eigene Photovoltaikanlage. Gewerbedächer sind meist groß, und das Lastprofil eines Betriebs passt oft besser zur Solarerzeugung als das eines Haushalts: Der Verbrauch liegt tagsüber, genau dann produziert die Anlage. Eigenverbrauchsquoten von 60 bis 80 Prozent sind ohne Speicher erreichbar — im Haushalt sind es 25 bis 35 Prozent.
Weil eine selbst verbrauchte Kilowattstunde rund 25 Cent Netzbezug ersetzt, eine eingespeiste aber nur 7,70 Cent bringt, rechnet sich das im Gewerbe schneller. Was beim Reststrombezug zu beachten ist, steht im Stromvergleich mit Photovoltaik.
Häufige Fragen zum Gewerbestrom
Was kostet Gewerbestrom pro kWh?
Günstige Tarife liegen bei rund 25,43 Cent netto beziehungsweise 30,27 Cent brutto je Kilowattstunde. Bei Verbräuchen zwischen 10.000 und 30.000 Kilowattstunden bewegen sich die Arbeitspreise am Markt zwischen etwa 20 und 35 Cent.
Ab wann gilt registrierende Leistungsmessung?
Ab 100.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Darunter wird über ein Standardlastprofil abgerechnet, und die Tarife lassen sich online vergleichen.
Ist Gewerbestrom günstiger als Haushaltsstrom?
Beim Nettopreis ja, weil die Umsatzsteuer entfällt und Gewerbekunden sie als Vorsteuer abziehen. Der Unterschied ist also überwiegend ein steuerlicher, kein Rabatt.
Warum ist der Strompreis für Gewerbe je nach Standort höher?
Weil die Netzentgelte je Netzgebiet unterschiedlich hoch sind und die Konzessionsabgabe nach Gemeindegröße gestaffelt ist. Beschaffung und Vertrieb sind dagegen bundesweit vergleichbar — dort entsteht der Unterschied zwischen den Anbietern.
Welche Stromsteuer zahlen Unternehmen?
Der Regelsatz beträgt 2,05 Cent je Kilowattstunde. Produzierendes Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft können Entlastungen beim Hauptzollamt beantragen, Schienenbahnen sind teils befreit.
Wie lange läuft ein Gewerbestromvertrag?
Üblich sind 12 oder 24 Monate mit einer Kündigungsfrist von oft drei Monaten zum Laufzeitende. Die Verbraucherschutzregeln zu Kündigungsfristen gelten für Gewerbekunden nicht in gleicher Form.
Was ist ein Leistungspreis?
Ein Preisbestandteil im RLM-Bereich, der sich nach der höchsten Viertelstundenleistung des Jahres bemisst. Eine einzige Lastspitze kann die Kosten für zwölf Monate prägen — Lastmanagement lohnt sich dort oft mehr als der Tarifwechsel.
Kann ich als Kleingewerbe einen Haushaltstarif nutzen?
Wenn der Verbrauch über einen privaten Zähler läuft, oft ja. Bei eigenem Gewerbezähler bekommst Du Gewerbetarife — die im Nettovergleich meist günstiger sind.
Fazit
Der Gewerbestrom-Vergleich beginnt mit einer Frage: SLP oder RLM. Bis 100.000 Kilowattstunden vergleichst Du online wie ein Haushalt, nur mit Nettopreisen. Darüber brauchst Du individuelle Angebote — und solltest zuerst Deine Lastspitzen anschauen, bevor Du den Anbieter wechselst.
Prüfe die Laufzeit genauer als privat: Kündigungsfristen von drei Monaten sind üblich, und der Verbraucherschutz greift hier nicht. Wer produzierendes Gewerbe ist, sollte zusätzlich die Stromsteuerentlastung beim Hauptzollamt beantragen — sie kommt nicht automatisch.
Quellen und Stand der Daten
Preise für Gewerbestrom nach bundesweiter Markterhebung, Stand 24. August 2026, Angaben netto ohne Umsatzsteuer. Die Sätze der Konzessionsabgabe stammen aus der Konzessionsabgabenverordnung, die Regelungen zu Standardlastprofil und registrierender Leistungsmessung aus der Stromnetzzugangsverordnung und den Festlegungen der Bundesnetzagentur, die Steuersätze und Entlastungstatbestände aus dem Stromsteuergesetz. Vergleichswerte für Haushaltsstrom aus unserer eigenen Erhebung über alle 16 Bundesländer.
Die Redaktion von Stromvergleich.net wertet die Preisdaten des deutschen Strommarkts seit 2022 laufend aus. Welche Gewerbestromtarife an Deiner Betriebsadresse lieferbar sind, zeigt der Vergleichsrechner mit Postleitzahl und Jahresverbrauch.