Stromvergleich mit Prämie: Bonus richtig rechnen
Inhalt dieser Seite13
- Das Wichtigste zum Stromvergleich mit Prämie
- Warum Stromanbieter Prämien zahlen
- Die drei Bonusarten im Vergleich
- Wie der Bonus den Vergleich verzerrt
- Die Bonus-Strategie: jährlich wechseln
- Stromanbieter wechseln
- Bedingungen, an denen Boni scheitern
- Ein Beispiel über drei Jahre
- Wo der Bonus auf der Stromrechnung auftaucht
- Für wen sich Bonustarife nicht lohnen
- Häufige Fragen zu Stromtarifen mit Prämie
- Fazit
- Quellen und Stand der Daten
Das Wichtigste zum Stromvergleich mit Prämie
- Drei Bonusarten sind üblich: Sofortbonus, Neukundenbonus und Sachprämie. Sie unterscheiden sich vor allem im Auszahlungszeitpunkt.
- Der Sofortbonus kommt nach wenigen Wochen bis drei Monaten, der Neukundenbonus erst mit der Jahresabrechnung nach zwölf Monaten.
- Boni liegen typischerweise zwischen 100 und 300 Euro und sind an Bedingungen geknüpft.
- Der Bonus verzerrt jeden Vergleich. Ab dem 13. Monat zählt allein der Arbeitspreis ohne Bonus.
- Wer den Vorteil behalten will, wechselt jährlich — den gleichen Bonus zahlt ein Anbieter meist nur alle sechs bis zwölf Monate erneut.
Warum Stromanbieter Prämien zahlen
Ein Neukunde ist für einen Stromanbieter kalkulierbar: Er bleibt im Schnitt mehrere Jahre, und die Kosten der Kundengewinnung amortisieren sich über die Vertragslaufzeit. Ein Bonus von 200 Euro ist damit nichts anderes als ein vorgezogener Rabatt, der über die Folgejahre wieder hereinkommt.
Für Dich heißt das: Die Prämie ist echtes Geld, aber sie ist ein Marketinginstrument und kein Geschenk. Der Anbieter rechnet damit, dass Du bleibst. Genau darin liegt der Hebel — und die Falle.
Die drei Bonusarten im Vergleich
| Bonusart | Auszahlung | Typische Höhe | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|---|
| Sofortbonus | innerhalb weniger Wochen bis 3 Monate nach Lieferbeginn | 50 bis 200 € | oft an eine Mindestvertragsdauer gekoppelt; bei vorzeitiger Kündigung rückforderbar |
| Neukundenbonus | mit der Jahresabrechnung nach 12 Monaten Belieferung | 100 bis 300 € | setzt voraus, dass Du das volle Jahr Kunde bleibst |
| Wechselprämie | meist wie der Neukundenbonus | 50 bis 250 € | häufig zusätzlich daran gebunden, dass Du von einem anderen Anbieter kommst |
| Sachprämie | nach Lieferbeginn, teils nach 12 Monaten | Tablet, Fahrrad, Gutschein | Warenwert selten identisch mit dem Geldwert; steuerlich unproblematisch, aber schlechter vergleichbar |
Der wichtigste Unterschied ist der Zeitpunkt. Beim Sofortbonus hast Du das Geld früh, trägst aber das Risiko der Rückforderung. Beim Neukundenbonus musst Du zwölf Monate durchhalten — dafür ist er in der Regel höher.
Sachprämien sind der unübersichtlichste Fall. Ein Tablet mit einem Listenpreis von 300 Euro ist für den Anbieter im Einkauf deutlich günstiger, und Du kannst den Wert nicht mit dem Arbeitspreis verrechnen. Wer vergleichen will, sollte Geldprämien vorziehen.
Wie der Bonus den Vergleich verzerrt
Vergleichsrechner sortieren standardmäßig nach den Kosten des ersten Jahres — inklusive Bonus. Das führt zu Ergebnissen, die im zweiten Jahr nicht mehr stimmen.
| Tarif | Arbeitspreis | Bonus | Kosten Jahr 1 | Kosten Jahr 2 | Zwei Jahre |
|---|---|---|---|---|---|
| Tarif A | 30,00 ct | 300 € | 750 € | 1.050 € | 1.800 € |
| Tarif B | 26,00 ct | 0 € | 910 € | 910 € | 1.820 € |
| Tarif C | 27,00 ct | 150 € | 795 € | 945 € | 1.740 € |
Gerechnet mit 3.500 Kilowattstunden im Jahr. Tarif A gewinnt im ersten Jahr deutlich und ist über zwei Jahre der teuerste — weil der hohe Arbeitspreis ab Monat 13 ohne Ausgleich zuschlägt. Tarif C ist über zwei Jahre am günstigsten, obwohl er im ersten Jahr nur Platz zwei belegt.
Die Regel daraus: Vergleiche immer den ausgewiesenen Arbeitspreis ohne Bonus. Jeder seriöse Vergleichsrechner zeigt ihn an, oft als „Preis im zweiten Jahr“ oder „Preis ohne Boni“.
Die Bonus-Strategie: jährlich wechseln
Wer den Prämienvorteil dauerhaft mitnehmen will, behandelt den Stromvertrag wie ein Abo mit Jahresrhythmus:
- Tarif mit zwölf Monaten Laufzeit wählen, nicht länger.
- Preisgarantie über die volle Laufzeit sicherstellen.
- Kündigungstermin acht Wochen vor Ablauf notieren.
- Nach Ablauf neu vergleichen und wechseln — zu einem Anbieter, bei dem Du in den letzten zwölf Monaten nicht warst.
Bei 200 Euro Bonus je Wechsel und drei Wechseln in drei Jahren sind das 600 Euro, die ein Bestandskunde liegen lässt. Der Aufwand liegt bei rund fünf Minuten pro Jahr.
Der letzte Punkt ist wichtig: Denselben Bonus zahlt ein Anbieter meist nur, wenn Du in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten nicht bei ihm unter Vertrag warst. Es lohnt sich, zwischen mehreren Versorgern zu rotieren.
Stromanbieter wechseln — so geht es Schritt für Schritt
Der Wechsel dauert fünf Minuten. Alles Weitere übernimmt der neue Anbieter, auch die Kündigung beim alten.
- Zahlen bereitlegen. Postleitzahl, Jahresverbrauch in Kilowattstunden und Zählernummer stehen auf der letzten Jahresabrechnung. Wer schätzt statt abzulesen, bekommt ein Ergebnis, das nicht passt.
- Ergebnisse nach Preis ohne Bonus sortieren. Die Standardsortierung nach Kosten im ersten Jahr blendet den Bonus ein und verzerrt das Bild.
- Angebote prüfen. Vertragslaufzeit höchstens zwölf Monate, Kündigungsfrist höchstens ein Monat, Preisgarantie über die volle Laufzeit, keine Vorkasse und kein Paketpreis.
- Bonusbedingungen lesen. Wann wird ausgezahlt, an welche Mindestlaufzeit ist der Bonus gekoppelt, gilt eine Mindestabnahme?
- Online abschließen. Du brauchst Zählernummer, den bisherigen Anbieter mit Kundennummer und Deine Bankverbindung.
- Kündigungstermin eintragen — acht Wochen vor Ablauf, damit sich der Vertrag nicht stillschweigend verlängert.
Seit dem 1. Januar 2026 muss der technische Lieferantenwechsel nach § 20a EnWG an jedem Werktag binnen 24 Stunden vollzogen sein. Bis zur ersten Belieferung vergehen trotzdem meist zwei bis sechs Wochen, weil zuerst die Kündigungsfrist Deines alten Vertrags abläuft.
Ohne Strom sitzt dabei niemand. Scheitert ein Wechsel oder geht ein Anbieter insolvent, übernimmt automatisch die Ersatzversorgung durch den örtlichen Grundversorger nach § 38 EnWG.
Bedingungen, an denen Boni scheitern
Bonuszahlungen sind an Vertragsbedingungen geknüpft. Diese vier führen am häufigsten dazu, dass am Ende nichts ausgezahlt wird:
- Mindestvertragslaufzeit nicht eingehalten. Wer vorzeitig kündigt, verliert den Anspruch — beim Sofortbonus kann der Anbieter ihn sogar zurückfordern.
- Zahlungsrückstände. Ein ordnungsgemäßer Vertragsverlauf ist fast immer Voraussetzung. Eine geplatzte Lastschrift kann den Bonus kosten.
- Umzug innerhalb des Bonusjahres. Manche Anbieter behandeln den Umzug als Vertragsende und zahlen anteilig oder gar nicht.
- Kein echter Neukunde. Wer im Haushalt schon einmal bei diesem Anbieter war — auch über einen anderen Vertragspartner — fällt gelegentlich durch das Raster.
Prüfe außerdem, ob der Bonus an eine bestimmte Mindestabnahme gekoppelt ist. Sinkt Dein Verbrauch unter die vereinbarte Menge, kann der Anspruch entfallen. Besonders wichtig ist das für Haushalte mit Photovoltaikanlage, deren Netzbezug von Jahr zu Jahr schwankt.
Ein Beispiel über drei Jahre
Wie viel die Bonus-Strategie tatsächlich bringt, zeigt eine Rechnung über drei Jahre für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden. Verglichen werden drei Verhaltensweisen:
| Verhalten | Jahr 1 | Jahr 2 | Jahr 3 | Summe |
|---|---|---|---|---|
| In der Grundversorgung bleiben 40,37 ct, kein Bonus |
1.413 € | 1.413 € | 1.413 € | 4.239 € |
| Einmal wechseln und bleiben 28,00 ct, 200 € Bonus im ersten Jahr |
780 € | 980 € | 980 € | 2.740 € |
| Jährlich wechseln je 28,00 ct und 200 € Bonus |
780 € | 780 € | 780 € | 2.340 € |
Der erste Schritt ist mit Abstand der größte: Wer die Grundversorgung verlässt, spart im ersten Jahr über 600 Euro. Das jährliche Wechseln bringt danach noch einmal 400 Euro über zwei Jahre — attraktiv, aber deutlich weniger als der Ausstieg aus der Grundversorgung.
Wer also nur eine einzige Sache tun will, sollte diese sein: raus aus der Grundversorgung. Ob mit oder ohne Prämie ist zweitrangig.
Wo der Bonus auf der Stromrechnung auftaucht
Ein häufiger Ärger nach dem Anbieterwechsel: Der Bonus ist da, aber niemand findet ihn. Das liegt daran, dass er je nach Art an unterschiedlichen Stellen verrechnet wird.
- Sofortbonus: meist als separate Überweisung auf Dein Konto oder als Gutschrift auf der ersten Stromrechnung. Verbraucher sollten in beiden Fällen den Kontoauszug prüfen.
- Neukundenbonus: erscheint auf der Jahresabrechnung als eigener Posten, oft als „Bonus“ oder „Gutschrift Neukunde“. Er mindert den Rechnungsbetrag und wird nicht ausgezahlt, solange Du noch etwas nachzahlen musst.
- Sachprämie: taucht auf der Stromrechnung gar nicht auf. Der Versand erfolgt getrennt, oft mit mehreren Wochen Verzögerung.
Wird ein Bonus nicht gutgeschrieben, hilft ein schriftlicher Hinweis mit Verweis auf die Vertragsunterlagen. Kundinnen und Kunden haben einen vertraglichen Anspruch darauf, wenn die Bedingungen erfüllt sind — das ist keine Kulanzfrage. Führt das nicht weiter, ist die Schlichtungsstelle Energie die nächste Anlaufstelle; das Verfahren ist für Verbraucherinnen und Verbraucher kostenfrei.
Ein Hinweis noch zu besonders hohen Prämien: Boni von 400 Euro und mehr gibt es, sie stehen aber fast immer neben einem entsprechend hohen Arbeitspreis. Rechne solche Angebote grundsätzlich über zwei Jahre durch, bevor Du unterschreibst.
Für wen sich Bonustarife nicht lohnen
Drei Gruppen fahren ohne Prämie besser:
- Wer nicht wechseln will. Wer den Anbieter zehn Jahre behält, zahlt nach dem ersten Jahr durchgehend den hohen Arbeitspreis. Ein bonusfreier Tarif mit niedrigem Arbeitspreis ist dann günstiger.
- Sehr kleine Verbräuche. Bei 1.200 Kilowattstunden im Jahr fällt ein Bonus prozentual stark ins Gewicht — die Bedingungen aber auch. Hier lohnt der Blick auf den Gesamtpreis mehr.
- Wer Planungssicherheit braucht. Gewerbekunden etwa kalkulieren lieber mit einem konstanten Preis als mit einem Einmaleffekt. Mehr dazu im Gewerbestrom-Vergleich.
Häufige Fragen zu Stromtarifen mit Prämie
Was ist der Unterschied zwischen Sofortbonus und Neukundenbonus?
Der Sofortbonus wird innerhalb weniger Wochen bis drei Monaten nach Lieferbeginn ausgezahlt, der Neukundenbonus erst mit der Jahresabrechnung nach zwölf Monaten Belieferung. Der Neukundenbonus ist dafür meist höher.
Wie hoch sind Stromprämien üblicherweise?
Zwischen 100 und 300 Euro, abhängig von Anbieter und Jahresverbrauch. Bei hohem Verbrauch fallen die Boni tendenziell höher aus, weil der Kunde für den Anbieter wertvoller ist.
Muss ich den Bonus versteuern?
Nein. Ein Wechselbonus ist eine Rückvergütung auf den Kaufpreis und damit für Privathaushalte steuerlich unerheblich. Bei Gewerbekunden mindert er die Betriebsausgaben.
Was tun, wenn ich den Bonus nicht erhalten habe?
Zuerst prüfen, ob die Bedingungen erfüllt sind — Mindestlaufzeit, keine Zahlungsrückstände, kein Umzug im Bonusjahr. Sind sie erfüllt, besteht ein vertraglicher Anspruch. Reagiert der Anbieter auf eine schriftliche Aufforderung nicht, kannst Du die Schlichtungsstelle Energie einschalten; das Verfahren ist für Verbraucher kostenfrei.
Kann der Anbieter den Bonus zurückfordern?
Beim Sofortbonus ja, wenn Du die Mindestvertragslaufzeit nicht einhältst. Beim Neukundenbonus entsteht der Anspruch ohnehin erst nach zwölf Monaten.
Lohnt sich ein Tarif mit Prämie überhaupt?
Wenn Du bereit bist, jährlich zu wechseln, ja — dann nimmst Du den Bonus jedes Jahr neu mit. Bleibst Du länger, ist ein Tarif mit niedrigem Arbeitspreis ohne Bonus oft günstiger.
Sind Sachprämien so viel wert wie angegeben?
Selten. Der genannte Warenwert entspricht dem Listenpreis, nicht dem Einkaufspreis des Anbieters. Geldprämien lassen sich besser vergleichen.
Bekomme ich beim selben Anbieter zweimal einen Bonus?
In der Regel nicht. Die meisten Anbieter verlangen, dass Du in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten nicht bei ihnen unter Vertrag warst.
Fazit
Eine Prämie ist echtes Geld — aber nur für ein Jahr. Wer sie mitnimmt und danach bleibt, zahlt den Vorteil über den höheren Arbeitspreis wieder zurück.
Vergleiche deshalb immer den Preis ohne Bonus, wähle höchstens zwölf Monate Laufzeit mit durchgehender Preisgarantie und trage den Kündigungstermin gleich beim Abschluss in den Kalender. Dann bleibt der Bonus ein Vorteil und wird nicht zum Kredit an den Anbieter.
Quellen und Stand der Daten
Stand 24. August 2026. Die Beispielrechnungen sind Modellfälle mit 3.500 kWh Jahresverbrauch und gerundeten Werten. Ankündigungspflicht bei Preisänderungen und Sonderkündigungsrecht ergeben sich aus § 41 EnWG, die gesetzliche Obergrenze für Kündigungsfristen nach automatischer Vertragsverlängerung aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch; weitere Angaben aus den Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur und der BDEW-Strompreisanalyse.
Die Redaktion von Stromvergleich.net wertet die Preisdaten des deutschen Strommarkts seit 2022 laufend aus. Welche Stromtarife mit Prämie an Deiner Adresse lieferbar sind und wie hoch der Bonus bei Deinem Verbrauch ausfällt, zeigt der Vergleichsrechner.