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Rohstoffpreise und Strompreise: warum Gas den Preis bestimmt

Inhalt dieser Seite11
  1. Das Wichtigste zu Rohstoffpreisen und Strompreisen
  2. Warum ein Edelmetall etwas über Strompreise verrät
  3. Wie der Börsenstrompreis entsteht
  4. Was das 2022 bedeutete
  5. Welche Rohstoffpreise den deutschen Strompreis…
  6. Warum Deine Rechnung viel träger reagiert
  7. Warum der Ausbau erneuerbarer Anlagen die Rechnung…
  8. Was Du daraus für Deinen Tarif ableiten kannst
  9. Häufige Fragen zu Rohstoffpreisen und Strompreis
  10. Fazit
  11. Quellen und Stand der Daten

Das Wichtigste zu Rohstoffpreisen und Strompreisen

  • Strompreise entstehen an der Börse nach dem Merit-Order-Prinzip: Das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle.
  • Deshalb schlägt der Gaspreis auf den Strompreis durch, obwohl Gas nur einen Teil der Erzeugung liefert.
  • Rohstoffpreise wie der für Palladium zeigen dasselbe Muster: knappes Angebot, starre Nachfrage, extreme Ausschläge.
  • Auf Deiner Rechnung kommt davon nur der Anteil an, der auf Beschaffung und Vertrieb entfällt — rund 41 Prozent.
  • Ein Festpreistarif mit Preisgarantie hält diese Schwankungen von Dir fern.

Warum ein Edelmetall etwas über Strompreise verrät

Palladium gehört zu den seltensten Edelmetallen der Erde. Gebraucht wird es vor allem in Autokatalysatoren — und dort lässt es sich kurzfristig kaum ersetzen. Genau diese Kombination macht den Markt zum Lehrstück.

Wenn das Angebot knapp ist und die Nachfrage nicht ausweichen kann, reagieren Preise nicht gemächlich, sondern sprunghaft. Ein Förderausfall in einem einzigen Land kann den Weltmarktpreis binnen Wochen verdoppeln. Steigt der Preis, sinkt die Nachfrage trotzdem kaum — die Katalysatoren müssen gebaut werden.

Beim Strom ist es dasselbe Muster. Der Verbrauch eines Landes lässt sich kurzfristig nicht halbieren, egal was eine Kilowattstunde kostet. Wird die Erzeugung knapp, schlägt das voll auf den Preis durch.

Wie der Börsenstrompreis entsteht

Der entscheidende Mechanismus heißt Merit Order. Alle Kraftwerke bieten am Großhandelsmarkt in der Reihenfolge ihrer Grenzkosten an — also der Kosten, die eine zusätzlich erzeugte Kilowattstunde verursacht:

Reihenfolge Erzeugungsart Grenzkosten
1 Wind und Photovoltaik nahe null
2 Wasserkraft, Biomasse niedrig
3 Braunkohle mittel
4 Steinkohle höher
5 Erdgas am höchsten

Gebraucht wird so lange aufgefüllt, bis der Bedarf gedeckt ist. Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt dann den Preis — und zwar für alle, auch für den Windpark mit Grenzkosten nahe null.

Daraus folgt der auf den ersten Blick paradoxe Zusammenhang: Auch wenn Gas nur einen kleineren Teil der deutschen Stromerzeugung liefert, bestimmt der Gaspreis in vielen Stunden den Strompreis. Er ist der letzte Baustein, der zum Decken der Nachfrage gebraucht wird.

Was das 2022 bedeutete — und was seither passiert ist

Die Energiekrise ab 2021 war genau dieser Mechanismus in Reinform. Der Beschaffungspreis für Strom stieg von rund 8 auf 25 Cent je Kilowattstunde, weil Gas knapp und teuer wurde. Der Haushaltsstrompreis kletterte von rund 32 Cent im Jahr 2020 auf einen Rekordwert von 47 Cent im Jahr 2023.

Seither hat sich der Beschaffungsmarkt normalisiert. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag 2025 bei rund 39,6 Cent und 2026 bei etwa 37 Cent je Kilowattstunde.

Der Umkehrschluss stimmt allerdings auch: Wenn viel Wind weht und die Sonne scheint, verdrängen Anlagen mit Grenzkosten nahe null die teuren Gaskraftwerke aus dem Markt. Der Börsenpreis fällt dann regelmäßig unter null — es gibt mehr Strom, als gebraucht wird.

Welche Rohstoffpreise den deutschen Strompreis bewegen

Nicht alle Rohstoffpreise wirken gleich stark auf den Strompreis pro Kilowattstunde. Entscheidend ist, ob er in die Grenzkosten des preissetzenden Kraftwerks eingeht:

Rohstoff Wirkung auf den Strompreis Warum
Erdgas sehr stark Gaskraftwerke sind meist die preissetzenden Anlagen
CO₂-Zertifikate stark gehen direkt in die Grenzkosten aller fossilen Kraftwerke ein
Steinkohle mittel preissetzend nur in Stunden mittlerer Nachfrage
Braunkohle gering heimisch gefördert, kaum Weltmarktpreis
Kupfer, Stahl, seltene Metalle indirekt verteuern Netzausbau und Anlagenbau, wirken über Jahre

Der letzte Punkt ist der eigentliche Berührungspunkt zu Metallen wie Palladium. Sie setzen keinen Strompreis an der Börse, verteuern aber den Bau von Leitungen, Umspannwerken und Erzeugungsanlagen. Diese Kosten landen später über die Netzentgelte auf jeder Stromrechnung — mit jahrelanger Verzögerung und ohne dass jemand den Zusammenhang bemerkt.

Die CO₂-Zertifikate aus dem europäischen Emissionshandel sind der zweite indirekte Hebel. Sie verteuern gezielt die Erzeugung aus Kohle und Gas — und verschieben damit die Reihenfolge in der Merit Order zugunsten erneuerbarer Anlagen. Das ist politisch so gewollt und wirkt dauerhaft.

Warum Deine Rechnung viel träger reagiert

Die Ausschläge am Großhandelsmarkt erreichen Dich stark gedämpft. Der Grund liegt im Aufbau des Strompreises:

Bestandteil Anteil Reagiert auf Börsenpreise?
Beschaffung und Vertrieb ca. 41 % ja
Netzentgelte ca. 25 % nein, eigene Regulierung
Steuern, Abgaben, Umlagen ca. 34 % nein, gesetzlich festgelegt

Nur der erste Block folgt dem Markt. Und selbst dort kaufen Versorger ihren Strom in der Regel über Monate im Voraus ein — was heute an der Börse passiert, taucht auf Deiner Rechnung frühestens in einigen Monaten auf.

Das erklärt auch, warum Grundversorgungstarife so träge sind: Sie werden meist nur ein- bis zweimal im Jahr angepasst. Neukundentarife reagieren dagegen innerhalb von Wochen — und genau daraus entsteht der heutige Abstand von über 14 Cent je Kilowattstunde.

Warum der Ausbau erneuerbarer Anlagen die Rechnung verändert

Je mehr Wind- und Solarleistung in Deutschland steht, desto häufiger reicht sie aus, um die Nachfrage ohne Gaskraftwerke zu decken. In diesen Stunden fällt der Börsenpreis, weil das preissetzende Kraftwerk ein günstigeres ist.

Sichtbar wird das an zwei Zahlen: Erneuerbare Energien decken inzwischen deutlich über die Hälfte der deutschen Nettostromerzeugung — Windkraft rund 30 Prozent, Photovoltaik etwa 14, Biomasse 8 und Wasserkraft 4 Prozent. Gleichzeitig steigt die Zahl der Stunden mit negativen Börsenpreisen von Jahr zu Jahr.

Auf Deiner Rechnung wirkt das allerdings gegenläufig. Der Ausbau senkt den Beschaffungspreis, treibt aber den Netzausbau — und Netzentgelte machen rund ein Viertel des Strompreises aus. Zum 1. Januar 2025 hat die Bundesnetzagentur deshalb einen Teil dieser Kosten bundesweit umgelegt, statt sie allein den Netzgebieten mit hoher Einspeisung aufzuladen.

Unterm Strich sind die Strompreise seit dem Höchststand 2023 wieder deutlich gefallen: von rund 47 Cent je kWh auf etwa 37 Cent im Jahr 2026. Wer aktuelle Stromtarife vergleicht, findet günstige Angebote allerdings weit darunter — bei rund 26 Cent.

Was Du daraus für Deinen Tarif ableiten kannst

  1. Festpreistarif mit Preisgarantie. Er hält die Schwankungen von Dir fern; das Beschaffungsrisiko trägt der Anbieter. Für die meisten Haushalte die richtige Wahl.
  2. Dynamischer Tarif nur mit verschiebbarem Verbrauch. Wer den Börsenpreis direkt weitergereicht bekommt, profitiert von den Tälern — aber nur, wenn er den Verbrauch dorthin legen kann. Ohne Wärmepumpe, Wallbox oder Speicher lohnt es sich selten.
  3. Nicht auf sinkende Preise warten. Wer in der Grundversorgung bleibt, zahlt jeden Monat rund 42 Euro mehr als nötig — unabhängig davon, wohin sich der Großhandelspreis bewegt.
  4. Jährlich vergleichen. Weil Beschaffungspreise sich ändern, ändert sich auch, wer der günstigste Anbieter ist.

Seit dem 1. Januar 2025 muss nach § 41a EnWG jeder Stromlieferant einen dynamischen Tarif anbieten. Das erweitert die Auswahl — ersetzt aber nicht die Frage, ob Du das Preisrisiko selbst tragen willst.

Häufige Fragen zu Rohstoffpreisen und Strompreis

Warum bestimmt der Gaspreis den Strompreis?

Wegen der Merit Order: Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Gaskraftwerke sind meist die letzten, die zum Decken der Nachfrage gebraucht werden.

Warum sinkt mein Strompreis nicht, wenn die Börsenpreise fallen?

Weil nur rund 41 Prozent Deines Preises auf Beschaffung und Vertrieb entfallen — und Versorger ihren Strom über Monate im Voraus einkaufen. Grundversorgungstarife werden zudem nur ein- bis zweimal im Jahr angepasst.

Was sind negative Strompreise?

Stunden, in denen mehr Strom erzeugt als gebraucht wird — typischerweise an sonnigen, windigen Tagen mit niedrigem Verbrauch. Erzeuger zahlen dann dafür, dass ihr Strom abgenommen wird.

Lohnt sich ein dynamischer Tarif?

Nur mit verschiebbarem Verbrauch und intelligentem Messsystem. Wer Strom vor allem morgens und abends braucht, zahlt bei einem dynamischen Tarif in den teuersten Stunden.

Wirken sich Rohstoffpreise direkt auf meinen Tarif aus?

Nur mittelbar. Rohstoffpreise bestimmen den Börsenpreis, und der wirkt auf die rund 41 Prozent Deines Preises, die auf Beschaffung und Vertrieb entfallen. Aktuelle Strompreise für Haushalte reagieren deshalb um Monate verzögert.

Wie haben sich die Strompreise entwickelt?

Von rund 32 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2020 auf einen Rekordwert von 47 Cent im Jahr 2023, danach zurück auf rund 39,6 Cent im Jahr 2025 und etwa 37 Cent im Jahr 2026.

Fazit

Rohstoffpreise und der Strommarkt folgen derselben Logik: Wo das Angebot knapp und die Nachfrage starr ist, schlagen Preise heftig aus. Beim Strom kommt der Merit-Order-Mechanismus hinzu, durch den das teuerste benötigte Kraftwerk den Preis für alle setzt.

Für Dich als Haushaltskunden ist die praktische Konsequenz einfach: Ein Festpreistarif mit Preisgarantie hält diese Schwankungen fern, und der jährliche Vergleich ist wirksamer als jede Spekulation auf fallende Preise.

Quellen und Stand der Daten

Stand 24. August 2026. Die Zusammensetzung des Strompreises stammt aus der BDEW-Strompreisanalyse (Januar 2026), die Angaben zu Börsenstrompreisen und Merit Order aus den Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur. Die Pflicht zum Angebot dynamischer Tarife ergibt sich aus § 41a EnWG.

Die Redaktion von Stromvergleich.net wertet die Preisdaten des deutschen Strommarkts seit 2022 laufend aus. Was Strom an Deiner Adresse kostet, zeigt der Vergleichsrechner mit Postleitzahl und Jahresverbrauch.

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