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Stadtwerke im Stromvergleich: Sondertarif statt Grundversorgung

Inhalt dieser Seite11
  1. Das Wichtigste zum Stadtwerke-Stromvergleich
  2. Was Stadtwerke sind
  3. Was Stadtwerke außer Energie noch leisten
  4. Der teuerste Irrtum
  5. Was Strom bei Stadtwerken kostet
  6. Die größten kommunalen Energieversorger
  7. Was für und was gegen Stadtwerke spricht
  8. So findest Du den Sondertarif Deines Stadtwerks
  9. Häufige Fragen zu Stadtwerken
  10. Fazit
  11. Quellen und Stand der Daten

Das Wichtigste zum Stadtwerke-Stromvergleich

  • In Deutschland gibt es rund 900 Stadtwerke, etwa 500 davon liefern Strom.
  • Fast überall ist das örtliche Stadtwerk zugleich Grundversorger — und die Grundversorgung ist sein teuerster Tarif.
  • Stadtwerk ist nicht gleich Grundversorgung. Fast jedes führt Sondertarife, die mehrere Cent darunter liegen.
  • Unter den 41 von uns erhobenen Städten reicht die kommunale Grundversorgung von 34,25 bis 45,64 Cent.
  • Die größten kommunalen Versorger sind EWE, enercity, SWM und die Stadtwerke Duisburg.

Was Stadtwerke sind

Stadtwerke sind kommunale Unternehmen: Sie gehören ganz oder mehrheitlich einer Stadt, einem Landkreis oder einem Zusammenschluss mehrerer Gemeinden. Neben Strom liefern die meisten auch Gas, Wasser und Fernwärme, viele betreiben zusätzlich Bäder, Parkhäuser oder den Nahverkehr.

In Deutschland existieren rund 900 Stadtwerke, von denen etwa 500 Strom vertreiben — einige davon inzwischen bundesweit. Damit stellen sie den größten Teil der über 800 Grundversorger im Land.

Die Quersubventionierung ist dabei kein Nebeneffekt, sondern Geschäftsmodell: Gewinne aus dem Energievertrieb finanzieren in vielen Kommunen den defizitären Nahverkehr und die Bäder mit. Wer beim Stadtwerk kauft, finanziert das mit.

Was Stadtwerke außer Energie noch leisten

Ein Stadtwerk ist selten nur Stromversorger. Die typische Aufgabenliste eines kommunalen Energieanbieters umfasst:

  • Energie: Strom, Erdgas, Fernwärme, zunehmend auch Ladeinfrastruktur für Elektroautos
  • Wasser und Abwasser in vielen Kommunen
  • Netzbetrieb über eine rechtlich getrennte Netzgesellschaft
  • Öffentliche Aufgaben: Nahverkehr, Schwimmbäder, Parkhäuser, Straßenbeleuchtung

Für Verbraucher ist vor allem die Trennung von Vertrieb und Netz wichtig: Auch wenn beide zum selben Konzern gehören, ändert ein Anbieterwechsel nichts am Netzbetreiber. Die Leitung, der Zähler und die Störungsbehebung bleiben in derselben Hand — unabhängig davon, wer Dir die Rechnung schreibt.

Die folgenden Informationen findest Du auf jeder Stromrechnung: Grundversorger, Netzbetreiber, Zählernummer und Jahresverbrauch. Diese vier Angaben reichen für jeden Vergleich aus.

Der teuerste Irrtum: Stadtwerk ist nicht Grundversorgung

Wer nie aktiv gewechselt hat, ist automatisch im Grundversorgungstarif des örtlichen Versorgers. Das ist der teuerste Tarif, den dieses Unternehmen führt.

Dasselbe Stadtwerk bietet daneben aber fast immer zwei oder drei Sondertarife an, die deutlich günstiger sind. Der Wechsel dorthin ist kein Anbieterwechsel — Du bleibst beim selben Unternehmen und sparst trotzdem oft mehrere Hundert Euro im Jahr.

Viele Haushalte, die aus Überzeugung regional kaufen wollen, bleiben deshalb unnötig teuer versorgt. Regional bleiben und Grundversorgung verlassen schließen sich nicht aus.

Was Strom bei Stadtwerken kostet

Die Spanne zwischen den kommunalen Grundversorgern ist erheblich. Aus unserer Erhebung über 41 Städte — die vier günstigsten und die vier teuersten:

Stadt Grundversorger Grundversorgung Günstigster Tarif Ersparnis im Jahr
Bremen swb Vertrieb Bremen GmbH 34,25 ct 25,49 ct 307 €
Halle EVH GmbH 35,16 ct 27,39 ct 272 €
Rostock Stadtwerke Rostock AG 35,31 ct 22,60 ct 445 €
Düsseldorf Stadtwerke Düsseldorf AG 35,74 ct 26,47 ct 324 €
Darmstadt ENTEGA Plus GmbH 44,12 ct 25,96 ct 636 €
Mainz ENTEGA Plus GmbH 44,33 ct 26,89 ct 611 €
Duisburg Stadtwerke Duisburg AG 44,41 ct 28,28 ct 565 €
Gera Energieversorgung Gera GmbH 45,64 ct 25,76 ct 696 €

Die Cent-Werte sind Gesamtpreise je Kilowattstunde bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch, der Grundpreis ist eingerechnet.

Über alle erhobenen Städte liegt die kommunale Grundversorgung im Schnitt bei 39,41 Cent — geringfügig unter dem Durchschnitt aller Grundversorger von 39,92 Cent. Kommunale Versorger sind also nicht systematisch teurer als Konzerne, aber eben auch nicht günstiger.

Die größten kommunalen Energieversorger

Unternehmen Sitz Besonderheit
EWE Oldenburg größter kommunaler Energieversorger Deutschlands, versorgt weite Teile des Nordwestens
enercity Hannover bundesweit tätig, früher Stadtwerke Hannover
SWM München Grundversorger in München, umfangreiches Ökostrom-Ausbauprogramm
Stadtwerke Duisburg Duisburg einer der größten kommunalen Versorger im Ruhrgebiet
SachsenEnergie Dresden größter kommunaler Versorger Ostdeutschlands nach der Fusion von DREWAG und ENSO

Diese großen kommunalen Energieanbieter liefern längst über ihr angestammtes Gebiet hinaus. Ein Stadtwerk aus einer anderen Region kann also durchaus der günstigste Anbieter an Deiner Adresse sein.

Was für und was gegen Stadtwerke spricht

Dafür Dagegen
Kundenzentrum vor Ort, feste Ansprechpartner Selten der günstigste Preis am Markt
Gewinne bleiben in kommunaler Hand Kommunal heißt nicht automatisch grün
Oft eigene Erzeugung in der Region Kleineres Tarifangebot, seltener dynamische Tarife
In der Preiskrise 2021/22 durchgehend geliefert Sondertarife werden nicht aktiv beworben

Der letzte Punkt links wiegt schwerer, als er aussieht. Mehrere Billiganbieter haben ihre Kunden damals von einem Tag auf den anderen fallen gelassen; die Betroffenen landeten in der teuren Ersatzversorgung. Kommunale Versorger haben durchgehend geliefert — auch dann, wenn die Beschaffung sie Geld gekostet hat.

So findest Du den Sondertarif Deines Stadtwerks

  1. Grundversorger ermitteln. Er steht auf Deiner Stromrechnung. Ist dort ein Grundversorgungstarif genannt, zahlst Du den Höchstpreis.
  2. Tarifübersicht des Versorgers ansehen. Sondertarife heißen oft „Klassik“, „Plus“, „Natur“ oder „Online“ und sind auf der Website eine Ebene tiefer zu finden.
  3. Im Vergleichsrechner gegenprüfen. Die Postleitzahl eingeben und im Ergebnis nach dem eigenen Stadtwerk suchen — so siehst Du den Abstand zu den günstigsten Anbietern.
  4. Konditionen prüfen: Laufzeit höchstens zwölf Monate, Preisgarantie über die volle Laufzeit, Kündigungsfrist höchstens ein Monat.

Der Wechsel innerhalb desselben Unternehmens ist unkompliziert und läuft meist über ein Formular. Aus der Grundversorgung kommst Du jederzeit mit zwei Wochen Frist heraus.

Häufige Fragen zu Stadtwerken

Wie viele Stadtwerke gibt es in Deutschland?

Rund 900, von denen etwa 500 Strom vertreiben. Über 550 versorgen Haushalte mit Strom, Gas oder Fernwärme.

Ist mein Stadtwerk automatisch mein Grundversorger?

Meist ja, aber nicht zwingend. Grundversorger ist das Unternehmen, das im Netzgebiet die meisten Haushaltskunden beliefert. In ländlichen Regionen ist das oft ein Regionalversorger wie Bayernwerk oder enviaM.

Was unterscheidet ein Stadtwerk von anderen Stromversorgern?

Die Eigentümerstruktur. Ein Stadtwerk befindet sich in öffentlicher Hand einer oder mehrerer Kommunen, während überregionale Energieanbieter privatwirtschaftlich organisiert sind. Auf den gelieferten Strom hat das keinen Einfluss — auf die Gewinnverwendung schon.

Sind Stadtwerke teurer als andere Anbieter?

In der Grundversorgung ja — sie ist überall der teuerste Tarif. Die Sondertarife der Stadtwerke liegen dagegen meist nur vier bis acht Cent über dem günstigsten Bundesanbieter.

Kann ich zu einem Stadtwerk außerhalb meiner Stadt wechseln?

Ja, sofern es an Deine Adresse liefert. Mehrere kommunale Versorger sind bundesweit tätig und tauchen deshalb auch außerhalb ihres Kerngebiets im Vergleich auf.

Bekomme ich beim Stadtwerk Ökostrom?

Fast überall. Achte aber auf das Label — nur ok-power und das Grüner Strom Label verlangen einen Beitrag zum Zubau neuer Anlagen. Stadtwerke mit eigener Erzeugung sind hier oft die glaubwürdigere Wahl.

Was passiert mit meinem Vertrag, wenn das Stadtwerk verkauft wird?

Nichts. Der Vertrag geht auf den Erwerber über, Konditionen und Laufzeit bleiben unverändert. Eine Preiserhöhung löst wie immer ein Sonderkündigungsrecht aus.

Fazit

Beim Stadtwerk zu bleiben und in der Grundversorgung zu bleiben sind zwei verschiedene Entscheidungen — das wird am häufigsten verwechselt. Fast jedes der rund 500 stromliefernden Stadtwerke führt Sondertarife, die mehrere Hundert Euro im Jahr unter der eigenen Grundversorgung liegen.

Der günstigste Preis kommt meist trotzdem von einem überregionalen Anbieter. Wer bewusst kommunal kauft, bezahlt für Erreichbarkeit, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung — das kann den Aufpreis wert sein, sollte aber eine Entscheidung sein.

Quellen und Stand der Daten

Preisangaben nach eigener Erhebung über 41 Städte, Stand 24. August 2026, Gesamtpreise je Kilowattstunde bei 3.500 kWh Jahresverbrauch. Anbieterzahlen aus dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur. Die Regeln zur Grundversorgung ergeben sich aus § 36 EnWG und der Stromgrundversorgungsverordnung.

Die Redaktion von Stromvergleich.net wertet die Preisdaten des deutschen Strommarkts seit 2022 laufend aus. Welches Stadtwerk an Deiner Adresse Grundversorger ist und welche Sondertarife es führt, zeigt der Vergleichsrechner mit Deiner Postleitzahl. Grundlagen zu allen Anbietertypen stehen im Stromanbieter-Vergleich, zu lokalen Versorgern auf der Seite zu regionalen Stromanbietern.

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