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Strompreisentwicklung: von 32 auf 47 und zurück auf 37 Cent

Inhalt dieser Seite15
  1. Das Wichtigste zur Strompreisentwicklung
  2. Die Strompreisentwicklung seit 2020
  3. Was 2022 prognostiziert wurde
  4. Warum die Preise wieder gefallen sind
  5. Warum der Gaspreis die Strompreise in Deutschland…
  6. Die politischen Eingriffe im Überblick
  7. Wie erneuerbare Energien die Entwicklung verändern
  8. Wie sich der Preis zusammensetzt
  9. Was die Entwicklung für Verbraucher konkret…
  10. Prognose: wohin geht es weiter?
  11. Was die Entwicklung für Deinen Tarif bedeutet
  12. Was Du unabhängig von der Preisentwicklung tun…
  13. Häufige Fragen zur Strompreisentwicklung
  14. Fazit
  15. Quellen und Stand der Daten

Das Wichtigste zur Strompreisentwicklung

  • Von rund 32 Cent (2020) über den Rekordwert 47 Cent (2023) auf etwa 37 Cent (2026) je Kilowattstunde.
  • Die Prognosen von 2022 lagen richtig — der Anstieg kam. Seit 2024 fallen die Preise wieder.
  • Treiber des Rückgangs: normalisierte Beschaffung und ein Entlastungspaket bei den Netzentgelten.
  • Fachleute erwarten bis 2030 Preise zwischen 35 und 45 Cent, das Bundeswirtschaftsministerium bis 2042 zwischen 37 und 42 Cent.
  • Unabhängig davon trennen Grundversorgung und günstigsten Tarif heute 14,32 Cent — rund 501 Euro im Jahr.

Die Strompreisentwicklung seit 2020

Kaum ein Verbraucherpreis hat sich in den vergangenen Jahren so bewegt wie der für Strom. Die Zeitreihe zeigt drei klar getrennte Phasen:

Jahr Haushaltsstrompreis Phase Was den Ausschlag gab
2020 ca. 32 ct/kWh Ausgangslage stabiles Vorkrisenniveau
2021 bis 2022 stark steigend Beschaffungskrise Gaspreis treibt den Börsenpreis
2023 ca. 47 ct/kWh Höchststand abgefedert durch die Strompreisbremse
2025 ca. 39,6 ct/kWh Normalisierung Beschaffung fällt, Netzentgelte steigen
2026 ca. 37 ct/kWh weiter fallend Entlastungspaket senkt Netzentgelte

Der Ausschlag nach oben betrug fast 50 Prozent, der Rückgang seither rund 21 Prozent. Auf dem Niveau von 2020 ist der Preis damit nicht wieder angekommen — und wird es nach heutigem Stand auch nicht.

Was 2022 prognostiziert wurde — und was daraus geworden ist

Im Sommer 2022 sagten Marktbeobachter einen Anstieg der Stromtarife um rund 25 Prozent für die kommenden Monate voraus. Diese Prognose traf ein: Der Haushaltsstrompreis kletterte auf den Rekordwert von rund 47 Cent im Jahr 2023.

Ebenso wichtig ist aber, was danach kam — und das stand damals in keiner Prognose. Die Beschaffungskosten normalisierten sich schneller als erwartet: Der Beschaffungspreis für Strom war von rund 8 auf 25 Cent je Kilowattstunde gestiegen und fiel anschließend deutlich zurück.

Wir lassen diese Einordnung bewusst stehen, statt die alte Vorhersage zu löschen. Sie zeigt zweierlei: Kurzfristige Preisprognosen können richtig liegen — und sie sagen trotzdem nichts darüber, was zwei Jahre später gilt.

Warum die Preise wieder gefallen sind

Drei Entwicklungen haben den Rückgang seit 2024 getragen:

  1. Normalisierung der Beschaffung. Nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen hat sich die Versorgung über Flüssiggas und Pipelines aus anderen Ländern neu sortiert. Der Gaspreis fiel, und mit ihm der Börsenstrompreis.
  2. Ausbau erneuerbarer Anlagen. Wind und Photovoltaik haben Grenzkosten nahe null. Je mehr davon einspeist, desto seltener bestimmt ein teures Gaskraftwerk den Preis.
  3. Entlastung bei den Netzentgelten. Zum Jahreswechsel 2025/2026 hat die Bundesregierung ein Entlastungspaket aufgelegt, mit dem die Netzentgelte vielerorts gesenkt wurden.

Dazu kam eine strukturelle Änderung: Seit dem 1. Januar 2025 wälzt die Bundesnetzagentur einen Teil der Kosten des Erneuerbaren-Ausbaus bundesweit um, statt sie allein den Netzgebieten mit hoher Einspeisung aufzuladen. Das entlastet vor allem den Norden und Osten.

Warum der Gaspreis die Strompreise in Deutschland bestimmt

Der auffälligste Zusammenhang der vergangenen Jahre wirkt auf den ersten Blick unlogisch: Gas liefert nur einen Teil der deutschen Stromerzeugung, bestimmt aber in vielen Stunden den Preis pro Kilowattstunde für den gesamten Markt.

Verantwortlich ist das Merit-Order-Prinzip. Alle Kraftwerke bieten am Großhandelsmarkt in der Reihenfolge ihrer Grenzkosten an — zuerst Wind und Photovoltaik mit Kosten nahe null, zuletzt Gaskraftwerke. Das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle, auch für den Windpark.

Daraus folgt beides: Als Gas 2022 knapp und teuer wurde, stieg der Strompreis mit. Und als sich der Gasmarkt normalisierte, fiel er wieder. Der Beschaffungspreis für Strom war von rund 8 auf 25 Cent je Kilowattstunde gestiegen — dieser Sprung erklärt den Großteil der Bewegung, die Verbraucher auf ihren Rechnungen gesehen haben.

Für die kommenden Jahre ist deshalb entscheidend, wie oft Gaskraftwerke noch gebraucht werden. Je mehr erneuerbare Leistung im Netz steht, desto seltener setzen sie den Preis.

Die politischen Eingriffe im Überblick

Zeitpunkt Maßnahme Wirkung
1. Juli 2022 Wegfall der EEG-Umlage senkte den Preis um 3,72 ct/kWh
2023 Strompreisbremse deckelte 80 % des Vorjahresverbrauchs bei 40 ct/kWh
31. Dezember 2023 Auslaufen der Strompreisbremse Preise wieder ungedeckelt
2024 Wegfall des Netzentgelt-Zuschusses Netzentgelte stiegen sprunghaft
1. Januar 2025 Bundesweite Umlage der Erneuerbaren-Netzkosten entlastet Netzgebiete mit hoher Einspeisung
Jahreswechsel 2025/26 Entlastungspaket senkt Netzentgelte weiter

Auffällig: Vier der sechs Eingriffe betreffen nicht die Beschaffung, sondern Netzentgelte, Steuern und Umlagen. Das ist kein Zufall — nur dort kann der Gesetzgeber unmittelbar wirken.

Wie erneuerbare Energien die Entwicklung verändern

Erneuerbare Energien decken inzwischen deutlich über die Hälfte der deutschen Nettostromerzeugung. Die Verteilung sieht ungefähr so aus:

Quelle ungefährer Anteil Wirkung auf den Preis
Windkraft an Land und auf See rund 30 % drückt den Preis stark, aber wetterabhängig
Photovoltaik rund 14 % drückt den Preis mittags, nachts wirkungslos
Biomasse rund 8 % grundlastfähig, begrenzt ausbaubar
Wasserkraft rund 4 % sehr konstant, kaum ausbaubar
Kohle und Erdgas rund 33 % setzen in vielen Stunden den Preis

Der Ausbau wirkt dabei in zwei Richtungen. Er senkt den Börsenpreis, weil er teure Kraftwerke verdrängt — an sonnigen, windigen Tagen fällt der Preis regelmäßig unter null. Gleichzeitig treibt er die Netzentgelte, weil Windstrom aus dem Norden zu den Verbrauchern im Süden transportiert werden muss.

Unterm Strich ist der erste Effekt bislang der stärkere: Der Rückgang von 47 auf rund 37 Cent pro Kilowattstunde seit 2023 geht wesentlich auf die günstigere Beschaffung zurück.

Kernenergie spielt in dieser Rechnung keine Rolle mehr. Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke gingen am 15. April 2023 vom Netz — mitten im Jahr des Preishöchststands.

Wie sich der Preis zusammensetzt

Um die Entwicklung zu verstehen, hilft der Blick auf die drei Blöcke. Sie bewegen sich unabhängig voneinander:

Bestandteil Anteil Treiber Zuletzt
Beschaffung und Vertrieb ca. 41 % Gaspreis, CO₂-Preis, Merit Order gefallen
Netzentgelte ca. 25 % Netzausbau, Regulierung gestiegen, zuletzt entlastet
Steuern, Abgaben, Umlagen ca. 34 % Gesetzgeber seit Wegfall der EEG-Umlage stabil

Warum die eigene Rechnung träger reagiert als die Nachrichtenlage, erklärt unser Beitrag Warum steigen die Strompreise im Detail.

Was die Entwicklung für Verbraucher konkret bedeutete

Hinter den Cent-Angaben stehen sehr unterschiedliche Beträge, je nach Haushaltsgröße. So wirkte sich die Entwicklung auf die Jahresrechnung aus:

Haushalt Verbrauch 2020 (32 ct) 2023 (47 ct) 2026 (37 ct)
Single 1.500 kWh ca. 480 € ca. 705 € ca. 555 €
Paar 2.500 kWh ca. 800 € ca. 1.175 € ca. 925 €
Familie 3.500 kWh ca. 1.120 € ca. 1.645 € ca. 1.295 €
Haus mit Garten 4.500 kWh ca. 1.440 € ca. 2.115 € ca. 1.665 €

Für eine Familie bedeutete der Höchststand 2023 also rund 525 Euro mehr im Jahr als 2020 — und der Rückgang seither rund 350 Euro weniger als auf dem Höhepunkt. Verglichen mit 2020 zahlen Verbraucher aber weiterhin leicht mehr.

Diese Zahlen beruhen auf dem Marktdurchschnitt. Wer in der Grundversorgung sitzt, liegt darüber; wer einen günstigen Tarif hat, deutlich darunter. Genau diese Streuung ist der Punkt, an dem sich mit eigenem Handeln am meisten bewegen lässt.

Prognose: wohin geht es weiter?

Prognosen zum Strompreis sind unsicher — 2021 hätte kaum jemand den Sprung auf 47 Cent vorhergesagt. Die Richtung der drei Blöcke lässt sich aber begründen:

  • Beschaffung: eher fallend. Jede zusätzliche Wind- und Solaranlage verdrängt teure Gaskraftwerke aus der Merit Order.
  • Netzentgelte: eher steigend. Der Netzausbau für Erneuerbare, Wärmepumpen und Elektromobilität kostet Milliarden, die über die Entgelte hereinkommen.
  • Steuern und Umlagen: politisch offen. Sie hängen an Haushaltslage und Entlastungspaketen.

Fachleute rechnen bis 2030 mit Preisen zwischen 35 und 45 Cent je Kilowattstunde. Das Bundeswirtschaftsministerium geht für 2042 von 37 bis 42 Cent aus. Beide Korridore liegen über dem Niveau von 2020 — die Zeit der 32-Cent-Preise gilt als vorbei.

Für Haushalte heißt das: Die großen Sprünge sind wahrscheinlich vorbei, ein Absinken auf Vorkrisenniveau aber auch.

Was die Entwicklung für Deinen Tarif bedeutet

Hier liegt der praktisch wichtigste Punkt: Der Abstand zwischen Grundversorgung und günstigstem Tarif ist unabhängig davon, ob die Preise gerade steigen oder fallen.

Bezugsart Preis je kWh Kosten bei 3.500 kWh
Grundversorgung (Bundesschnitt) 40,37 ct ca. 1.413 €
Marktdurchschnitt aller Haushalte ca. 37,00 ct ca. 1.295 €
Günstigster Neuvertrag 26,05 ct ca. 912 €

Der Grund für diese Spreizung liegt in unterschiedlichen Anpassungsgeschwindigkeiten. Grundversorger passen ihre Preise ein- bis zweimal im Jahr an, Neukundentarife reagieren binnen Wochen. Fallen die Beschaffungskosten, kommt das bei Neukundentarifen zuerst an.

Regional fällt der Abstand sehr unterschiedlich aus: Von 307 Euro in Bremen bis 922 Euro in Thüringen reicht die Spanne. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland liegen 17,79 Cent je Kilowattstunde.

Was Du unabhängig von der Preisentwicklung tun kannst

  1. Die Grundversorgung verlassen. Rund 501 Euro im Jahr bei 3.500 Kilowattstunden, kündbar jederzeit mit zwei Wochen Frist.
  2. Preisgarantie über die volle Laufzeit wählen. Sie schützt vor Anstiegen bei Beschaffung und Vertrieb — Steuern und Umlagen bleiben bei der üblichen eingeschränkten Variante offen.
  3. Jährlich vergleichen. Bestandskundenpreise liegen fast immer über den aktuellen Neukundenangeboten.
  4. Nicht auf fallende Preise warten. Wer in der Grundversorgung bleibt, zahlt jeden Monat rund 42 Euro mehr als nötig — unabhängig vom Markttrend.

Häufige Fragen zur Strompreisentwicklung

Wie haben sich die Strompreise seit 2020 entwickelt?

Von rund 32 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2020 auf den Rekordwert von 47 Cent im Jahr 2023, danach zurück auf rund 39,6 Cent (2025) und etwa 37 Cent (2026).

Warum sind die Strompreise wieder gefallen?

Weil sich die Beschaffung nach der Gaskrise normalisiert hat, der Ausbau erneuerbarer Anlagen den Börsenpreis drückt und ein Entlastungspaket zum Jahreswechsel 2025/2026 die Netzentgelte gesenkt hat.

Werden die Strompreise weiter sinken?

Die Beschaffung dürfte weiter nachgeben, die Netzentgelte eher steigen. Fachleute erwarten bis 2030 Preise zwischen 35 und 45 Cent je Kilowattstunde — also etwa auf dem heutigen Niveau.

Wie hoch ist der Strompreis 2026?

Im Durchschnitt rund 37 Cent je Kilowattstunde. In der Grundversorgung sind es 40,37 Cent, im günstigsten Neuvertrag 26,05 Cent.

Warum merke ich vom Preisrückgang nichts?

Weil Grundversorgungstarife nur ein- bis zweimal im Jahr angepasst werden und Versorger ihren Strom im Voraus einkaufen. Neukundentarife reagieren deutlich schneller.

Was war die Strompreisbremse?

Eine staatliche Obergrenze von 40 Cent je Kilowattstunde für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs. Sie galt 2023 und lief zum 31. Dezember 2023 aus.

Fazit

Die Strompreisentwicklung seit 2020 verlief in drei Phasen: ein steiler Anstieg bis zum Rekord von 47 Cent im Jahr 2023, danach ein Rückgang auf rund 37 Cent im Jahr 2026. Auf das Vorkrisenniveau von 32 Cent geht es nach heutigen Prognosen nicht zurück.

Für Deine Rechnung ist eine andere Zahl wichtiger als jede Prognose: 14,32 Cent trennen die Grundversorgung vom günstigsten Tarif — rund 501 Euro im Jahr. Diese Differenz besteht unabhängig davon, wohin sich der Markt bewegt.

Quellen und Stand der Daten

Preisangaben zur Grundversorgung und zum günstigsten Neuvertrag nach eigener Erhebung über alle 16 Bundesländer, Stand 24. August 2026, Gesamtpreise je Kilowattstunde bei 3.500 kWh Jahresverbrauch. Die Werte zur Preisentwicklung und die Prognosen bis 2030 und 2042 beruhen auf veröffentlichten Marktdaten sowie Einschätzungen von Marktbeobachtern und des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Zusammensetzung des Strompreises stammt aus der BDEW-Strompreisanalyse (Januar 2026), Angaben zu Netzentgelten aus den Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur.

Die Redaktion von Stromvergleich.net wertet die Preisdaten des deutschen Strommarkts seit 2022 laufend aus. Was Strom an Deiner Adresse heute kostet, zeigt der Vergleichsrechner mit Postleitzahl und Jahresverbrauch.

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