Stromvergleich Ökostrom: zertifizierte Tarife ab 28 Cent
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- Das Wichtigste zum Stromvergleich Ökostrom
- Was Ökostrom wirklich bedeutet
- Woher der deutsche Strom kommt
- Herkunftsnachweise: der Kern des Problems
- Wie Du echten Ökostrom erkennst
- Was Ökostrom kostet
- Was ein Ökostromtarif tatsächlich bewirkt
- Welche Ökostromanbieter es gibt
- Wie der Ausbau erneuerbarer Energien die…
- Welche Arten von Ökostromtarifen es gibt
- Zu Ökostrom wechseln: so läuft es ab
- Häufige Fragen zum Ökostrom
- Fazit
- Quellen und Stand der Daten
Das Wichtigste zum Stromvergleich Ökostrom
- Der Begriff „Ökostrom“ ist in Deutschland nicht geschützt. Es gibt keinen gesetzlichen Standard — jeder Anbieter darf sein Produkt so nennen.
- Zertifizierter Ökostrom ist ab rund 28 Cent pro kWh zu haben und damit günstiger als die Grundversorgung mit 40,37 Cent.
- Der Aufpreis für echten Ökostrom mit Neuanlagenkriterium liegt bei 2 bis 3 Euro im Monat.
- Aussagekräftig sind zwei Label: ok-power und das Grüner Strom Label. Sie verlangen Investitionen in neue Anlagen.
- TÜV-Zertifikate bestätigen vor allem die Herkunft, nicht den Zubau.
Was Ökostrom wirklich bedeutet
Ökostrom ist kein geschützter Begriff. Es gibt in Deutschland keinen gesetzlichen Standard dafür, was ein Anbieter so nennen darf. Genau das macht den Vergleich schwierig: Zwei Tarife, die beide „100 % Ökostrom“ heißen, können sich in ihrer tatsächlichen Wirkung fundamental unterscheiden.
Physikalisch bekommst Du ohnehin immer denselben Strom aus derselben Leitung. Im Netz vermischt sich Strom aus erneuerbaren Energiequellen mit Strom aus fossilen Brennstoffen. Was Du kaufst, ist eine buchhalterische Zusage darüber, wie viel erneuerbarer Strom für Dich erzeugt und eingespeist wurde.
Woher der deutsche Strom kommt
Um einzuordnen, was ein Ökostromtarif bewirkt, hilft ein Blick auf den tatsächlichen Erzeugungsmix. Erneuerbare Energien decken inzwischen deutlich über die Hälfte der deutschen Nettostromerzeugung.
| Quelle | ungefährer Anteil | Einordnung |
|---|---|---|
| Windkraft an Land und auf See | rund 30 % | größte Einzelquelle, stark wetterabhängig |
| Photovoltaik | rund 14 % | schnellster Zubau, Erzeugung nur tagsüber |
| Biomasse | rund 8 % | grundlastfähig, begrenzt ausbaubar |
| Wasserkraft | rund 4 % | weitgehend ausgebaut, sehr konstant |
| Kohle und Erdgas | rund 33 % | fossile Reserve für windstille Nächte |
| Kernenergie | 0 % | am 15. April 2023 abgeschaltet |
Zwei Punkte folgen daraus. Erstens: Atomstrom spielt in Deutschland keine Rolle mehr — Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 gingen am 15. April 2023 vom Netz. Ein Ökostromtarif grenzt sich hierzulande also nicht mehr gegen Kernenergie ab, sondern gegen fossile Erzeugung aus Kohle und Erdgas. Zweitens: Der fossile Rest von rund einem Drittel ist genau der Teil, den zusätzlicher Zubau ersetzen muss.
Herkunftsnachweise: der Kern des Problems
Nachgewiesen wird Ökostrom über Herkunftsnachweise. Das sind digitale Zertifikate, die das Umweltbundesamt im deutschen Herkunftsnachweisregister führt. Für jede eingespeiste Megawattstunde Grünstrom entsteht genau ein Nachweis, der beim Verkauf an einen Endkunden entwertet wird.
Der Haken: Nachweis und Strom sind handelbar, ohne dass sie zusammen bleiben müssen. Ein Versorger kann Graustrom an der Börse kaufen und dazu getrennt Herkunftsnachweise aus einem 60 Jahre alten norwegischen Wasserkraftwerk. Das Ergebnis heißt dann legal „100 % Ökostrom“ — am deutschen Kraftwerkspark hat sich nichts geändert, und in Norwegen wurde kein einziges neues Kraftwerk gebaut.
Dazu kommt eine gesetzliche Besonderheit: Strom, der bereits über das EEG gefördert wird, darf wegen des Doppelvermarktungsverbots nicht zusätzlich als Ökostrom verkauft werden. Der geförderte Solarstrom vom Nachbardach landet also gerade nicht in Ökostromtarifen.
Wie Du echten Ökostrom erkennst
Der Unterschied liegt im Label. Sechs Gütesiegel sind im deutschen Markt relevant, und sie sind unterschiedlich streng:
| Label | Vergeben von | Was es verlangt | Aussagekraft |
|---|---|---|---|
| Grüner Strom Label | Umwelt- und Verbraucherverbände | Fester Investitionsbeitrag von 0,5 bis 1 Cent je kWh in neue Anlagen | am strengsten |
| ok-power | EnergieVision e. V. | Ein Drittel aus Neuanlagen unter 6 Jahren, ein weiteres Drittel aus Anlagen von 6 bis 12 Jahren | streng, mehr zertifizierte Tarife |
| TÜV Nord / TÜV Süd | Prüforganisationen | Herkunft und Mengenbilanz, teils Zubauanteile | bestätigt vor allem die Herkunft |
| WE LOVE ENERGY | TÜV Rheinland | Herkunft und Anteil erneuerbarer Erzeugung | mittlere Aussagekraft |
| EKOenergy | europäisches Netzwerk | Herkunft plus Klimafonds-Beitrag | europaweiter Standard |
Der entscheidende Unterschied ist das Neuanlagenkriterium. Nur ok-power und das Grüner Strom Label verlangen, dass ein Teil des Geldes in den Bau neuer Erzeugungsanlagen fließt. Alles andere beschreibt lediglich, woher der Strom bilanziell stammt.
Die dritte belastbare Option ist ein Anbieter mit eigener Erzeugung in der Region — etwa Stadtwerke mit eigenen Wind- oder Wasserkraftanlagen. Wer dort kauft, finanziert nachweislich Anlagen, die es gibt. Mehr dazu auf unserer Seite zu regionalen Stromanbietern.
Was Ökostrom kostet
Die verbreitete Annahme, Ökostrom sei teurer, stimmt nicht mehr. Zertifizierter Grünstrom ist ab rund 28 Cent pro Kilowattstunde verfügbar. Der günstigste konventionelle Neukundentarif liegt bundesweit bei 26,05 Cent, die Grundversorgung bei 40,37 Cent.
| Tarif | Arbeitspreis | Jahreskosten bei 3.500 kWh | gegenüber Grundversorgung |
|---|---|---|---|
| Grundversorgung | 40,37 ct | ca. 1.413 € | — |
| Günstigster Tarif ohne Label | 26,05 ct | ca. 912 € | ca. 501 € gespart |
| Zertifizierter Ökostrom | ab 28,00 ct | ca. 980 € | ca. 433 € gespart |
Der Aufpreis für ein echtes Label gegenüber dem billigsten Tarif am Markt beträgt damit rund 68 Euro im Jahr, also 2 bis 3 Euro im Monat. Gegenüber der Grundversorgung sparst Du mit Ökostrom trotzdem über 400 Euro.
Wer bisher nie gewechselt hat, zahlt also drauf — nicht, weil er auf Ökostrom verzichtet, sondern weil er in der Grundversorgung geblieben ist.
Was ein Ökostromtarif tatsächlich bewirkt
Die ehrliche Antwort hängt vollständig am Label. Drei Wirkungsgrade lassen sich unterscheiden:
- Kein Label, nur Herkunftsnachweise. Es verschiebt sich, wem bestehende Erzeugung bilanziell zugeordnet wird. Am Kraftwerkspark ändert sich nichts. Wer alte norwegische Wasserkraft zugeordnet bekommt, hat keine einzige neue Anlage angestoßen.
- Label mit Neuanlagenkriterium. Mindestens ein Teil des Geldes fließt direkt in den Bau neuer Anlagen. Beim Grüner Strom Label sind das 0,5 bis 1 Cent je Kilowattstunde — bei 3.500 Kilowattstunden also 17 bis 35 Euro im Jahr, die nachweislich in Zubau gehen.
- Anbieter mit eigener Erzeugung. Wer Strom aus Anlagen kauft, die dem Versorger selbst gehören, finanziert deren Betrieb und Erweiterung direkt.
Die Energiewende lässt sich als Stromkunde also durchaus aktiv beeinflussen und der Ausbau erneuerbarer Anlagen mitfinanzieren — aber nur mit der zweiten oder dritten Variante. Der reine Etikettenwechsel bringt nichts außer einem guten Gefühl.
Deutlich mehr Wirkung als jeder Tarif hat übrigens eigene Erzeugung. Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, verdrängt fossilen Strom unmittelbar aus dem Netz — was dabei für den Reststrombezug zu beachten ist, steht im Stromvergleich mit Photovoltaik.
Welche Ökostromanbieter es gibt
Der Markt teilt sich in drei Gruppen:
- Reine Ökostromanbieter. Unternehmen, die ausschließlich Grünstrom verkaufen — etwa Naturstrom, LichtBlick, Green Planet Energy, die Elektrizitätswerke Schönau oder Polarstern. Green Planet Energy ging aus Greenpeace Energy hervor und wurde 1999 von Atomkraftgegnern als Genossenschaft gegründet. Diese Anbieter sind meist durchgehend zertifiziert, bundesweit lieferfähig und investieren jährlich einen festen Betrag pro verkaufter Kilowattstunde in den Ausbau.
- Kommunale Versorger mit Ökostromtarif. Fast jedes Stadtwerk hat inzwischen ein Grünstromprodukt, oft mit eigener regionaler Erzeugung.
- Überregionale Versorger. Die großen Anbieter führen Ökostromtarife im Sortiment, häufig ohne Neuanlagenkriterium.
Für den Vergleich heißt das: Filtere nicht nur auf „Ökostrom“, sondern prüfe das konkrete Label. Jeder seriöse Vergleichsrechner weist es aus.
Wie der Ausbau erneuerbarer Energien die Strompreise verändert
Der Börsenstrompreis entsteht nach dem Merit-Order-Prinzip: Alle Kraftwerke bieten in der Reihenfolge ihrer Grenzkosten, und das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle. Wind- und Solaranlagen haben Grenzkosten nahe null — sie verdrängen damit teure Gaskraftwerke aus dem Markt und senken den Preis.
Sichtbar wird das an den Extremen. An sonnigen, windigen Stunden fällt der Börsenpreis regelmäßig unter null: Es gibt dann mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen, als gebraucht wird. In windstillen Winternächten dagegen läuft der Preis nach oben, weil Gas- und Kohlekraftwerke die Lücke schließen müssen.
Für Dich als Haushaltskunden heißt das zweierlei:
- Beim Festpreistarif spielt das keine Rolle. Dein Arbeitspreis steht für die Vertragslaufzeit fest, und der Anbieter trägt das Beschaffungsrisiko.
- Beim dynamischen Tarif gibst Du es an Dich weiter. Seit dem 1. Januar 2025 muss nach § 41a EnWG jeder Stromlieferant einen dynamischen Tarif anbieten. Er lohnt sich, wenn Du Verbrauch in die günstigen Stunden verschieben kannst — mit Wärmepumpe, Wallbox oder Speicher.
Langfristig drückt der weitere Ausbau erneuerbarer Erzeugung den Großhandelspreis. Auf Deiner Rechnung kommt davon allerdings nur ein Teil an: Beschaffung und Vertrieb machen rund 41 Prozent des Strompreises aus, Netzentgelte 25 Prozent und Steuern, Abgaben und Umlagen 34 Prozent. Nur der erste Block steht im Wettbewerb.
Welche Arten von Ökostromtarifen es gibt
| Tarifart | Was ihn ausmacht | Für wen |
|---|---|---|
| Standard-Ökostrom | Strom aus erneuerbaren Energien, belegt über Herkunftsnachweise, ohne Label | wer den günstigsten Preis will |
| Zertifizierter Ökostrom | ok-power oder Grüner Strom Label mit festem Beitrag zum Ausbau | wer Wirkung will, 2 bis 3 € im Monat Aufpreis |
| Regionaler Ökostrom | Erzeugung aus Anlagen des Versorgers in der eigenen Region | wer nachvollziehbare Herkunft will |
| Dynamischer Ökotarif | Arbeitspreis folgt stündlich dem Börsenpreis, Smart Meter nötig | Haushalte mit verschiebbarem Verbrauch |
Quer dazu liegt die Frage nach dem Bonus. Ein Ökostromtarif mit 250 Euro Neukundenbonus sieht im ersten Jahr günstiger aus als einer ohne — ab dem 13. Monat zählt jedoch der reine Arbeitspreis. Wie die Bonusarten wirken, steht im Stromvergleich mit Prämie.
Zu Ökostrom wechseln: so läuft es ab
- Postleitzahl und Jahresverbrauch eingeben. Beides steht auf der letzten Stromrechnung.
- Auf Ökostrom filtern. Und im Ergebnis auf das Label achten, nicht nur auf das Wort.
- Preis ohne Bonus prüfen. Er zählt ab dem 13. Monat.
- Online abschließen. Zählernummer, bisheriger Anbieter mit Kundennummer, Bankverbindung. Die Kündigung übernimmt der neue Anbieter.
Technisch ändert sich nichts. Kein Zählertausch, keine Unterbrechung, dieselbe Leitung. Seit dem 1. Januar 2026 muss der Lieferantenwechsel nach § 20a EnWG binnen 24 Stunden vollzogen sein; bis zur ersten Belieferung vergehen wegen der Kündigungsfrist trotzdem meist zwei bis sechs Wochen.
Häufige Fragen zum Ökostrom
Ist Ökostrom teurer als normaler Strom?
Gegenüber der Grundversorgung nein — dort sparst Du mit Ökostrom rund 430 Euro im Jahr. Gegenüber dem billigsten konventionellen Tarif kostet zertifizierter Ökostrom etwa 2 bis 3 Euro im Monat mehr.
Wie erkenne ich echten Ökostrom?
Am Label mit Neuanlagenkriterium: ok-power oder Grüner Strom Label. Beide verlangen, dass ein Teil der Erlöse in den Bau neuer Anlagen fließt. TÜV-Zertifikate bestätigen dagegen vor allem die Herkunft.
Kommt bei mir wirklich Ökostrom aus der Steckdose?
Nein, physikalisch nicht — im Netz vermischt sich Strom aus allen Quellen. Was Du kaufst, ist die Zusage, dass die entsprechende Menge erneuerbar erzeugt und eingespeist wurde.
Was sind Herkunftsnachweise?
Digitale Zertifikate, die das Umweltbundesamt führt. Je eingespeister Megawattstunde Grünstrom entsteht ein Nachweis, der beim Verkauf entwertet wird. Weil Nachweis und Strom getrennt handelbar sind, sagt ein Nachweis allein wenig über die Wirkung aus.
Warum ist EEG-geförderter Strom kein Ökostrom?
Wegen des Doppelvermarktungsverbots. Wer bereits eine EEG-Vergütung erhält, darf denselben Strom nicht zusätzlich als Ökostrom verkaufen. Deshalb stammt der Strom in Ökostromtarifen meist aus ungeförderten Anlagen im Ausland.
Ist Ökostrom Atomstrom-frei?
In Deutschland ist inzwischen jeder Stromtarif frei von Kernenergie — die letzten drei Kernkraftwerke gingen am 15. April 2023 vom Netz. Ein Ökostromtarif grenzt sich hier gegen fossile Erzeugung ab, nicht gegen Atomstrom.
Bringt ein Wechsel zu Ökostrom überhaupt etwas?
Bei einem Tarif mit Neuanlagenkriterium ja: Der Investitionsbeitrag finanziert nachweislich neuen Zubau. Bei einem Tarif ohne Label ist der Effekt gering — dann verschiebt sich lediglich, wem bestehende Erzeugung bilanziell zugeordnet wird.
Fazit
Beim Ökostromvergleich entscheidet nicht der Preis, sondern das Label. Zertifizierter Grünstrom mit Neuanlagenkriterium kostet 2 bis 3 Euro im Monat mehr als der billigste Tarif am Markt — und immer noch über 400 Euro weniger im Jahr als die Grundversorgung.
Achte auf ok-power oder das Grüner Strom Label, prüfe den Preis ohne Bonus und wähle höchstens zwölf Monate Laufzeit. Dann stimmen Wirkung und Preis.
Quellen und Stand der Daten
Ökostrompreise nach bundesweiter Markterhebung, Stand 24. August 2026, gerechnet auf 3.500 kWh Jahresverbrauch ohne Grundpreis. Die Angaben zu Herkunftsnachweisen und zum Doppelvermarktungsverbot stammen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und den Veröffentlichungen des Umweltbundesamts, die Kriterien der Gütesiegel von den jeweiligen Zertifizierern. Vergleichswerte für konventionellen Strom aus unserer eigenen Erhebung über alle 16 Bundesländer.
Die Redaktion von Stromvergleich.net wertet die Preisdaten des deutschen Strommarkts seit 2022 laufend aus. Welche zertifizierten Ökostromtarife an Deiner Adresse lieferbar sind, zeigt der Vergleichsrechner mit Deiner Postleitzahl.